Ein paar Gedanken zu Corporate Social Responsibility

In diesem Beitrag möchte ich ein paar Denkanstöße zum Thema Corporate Social Responsibility (CSR) geben.
Zunächst werfe ich einen kurzen Blick auf den Verantwortungsbegriff, um danach auf zwei unterschiedliche CSR Zugänge einzugehen.

Die Beschäftigung mit Corporate Social Responsibility (CSR) drängt sich auf, da sich ein Verantwortungsvakuum in Zeiten der Globalisierung und der Deregulierung von Märkten aufgetan hat. Mit der Größe der Unternehmen steigt deren ökonomische Macht und damit deren Möglichkeit auf die öffentliche Meinungsbildung einzuwirken.
Wie wir von Ben Parker (dem Onkel von Spiderman) wissen, kommt mit großer Macht auch große Verantwortung.

Wenn wir über Verantwortung sprechen, zeigt sich, dass unsere Alltagsvorstellung von Verantwortung sehr stark auf natürliche Personen zugeschnitten ist. Wir unterstellen dabei, dass die Menschen intentional handeln und die Folgen ihrer Aktionen abschätzen können. Woraus wir dann einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen einer Person, ihren Handlungen und ihrer Verantwortlichkeit ableiten.

Die Anwendung dieser Vorstellung auf ganze Unternehmen ist häufig schwierig, da die Zurechnung von Verantwortung meist hinter etablierten Strukturen und komplexen Netzwerken verschwimmt. Die Organisation selbst ist mehr als ein Rahmen zu verstehen, der das Verhalten der Mitglieder kanalisiert und verdichtet. Was dann als organisationales Handeln von außen wahrgenommen wird. Eine für mich offene Frage lautet deswegen, wie kann heute in zunehmend fluiden Strukturen Verantwortung zugewiesen werden.

Wenn aus der Sicht des Managements nach Verantwortung gefragt wird, geht es zumeist um die Verantwortung für das Betriebsergebnis oder entstandene Kosten. Was häufig das altbekannte Phänomen herruft, dass der Erfolg viele Eltern hat, wohingegen der Misserfolg zumeist ein Waisenkind ist.

Neben der Frage nach der Verantwortung scheint mir wichtig hervorzuheben, dass CSR nicht gleich CSR ist. Die einen sehen Corporate Social Responsibility (CSR) als einen Managementansatz, bei dem die rechtlichen Rahmen möglichst unverbindlich sein sollen. Für die Vertreter dieser Sichtwiese ist CSR ein Marketinginstrument, mit dessen Hilfe ein positives Image des Unternehmens erzeugt werden soll. Für andere ist CSR eine Verpflichtung von Organisationen gegenüber der Gesellschaft. Dessen Anhängern geht es um verbindliche Regelungen, die von den Organisationen eingehalten werden sollen.

CSR ist damit kein einheitliches „Ding“, sondern wird im Diskurs konstruiert und bedeutet je nach Perspektive etwas anderes. Wobei sich die Frage stellt, welche Sichtweise sich durchsetzen wird.

Im Moment scheint sich meiner Meinung nach eher der Managementansatz durchzusetzen, der es den Unternehmen überlässt, was es bedeutet, CSR zu betreiben. Interessant ist jedoch zu beobachten, dass umso stärker der Wettbewerb in einer Branche ist bzw. umso mehr CSR Maßnahmen bereits umgesetzt wurden, umso eher treten Unternehmen für strengere Kontrollen und Regulationen ein. CSR wird hier von den betroffenen Unternehmen zu einem Kampf um Rahmenbedingungen im Wettbewerb gemacht.

Vor ca. vier Jahren hatte ich die Gelegenheit einer Diskussion von CSR Experten aus der DACH-Region beizuwohnen. Diese meinten, wenn man die CSR Tätigkeiten eines Unternehmens beurteilen und einordnen will, sollte man die Maßnahmen des Unternehmens mit den Maßnahmen von Unternehmen aus der gleichen Branche und derselben Größe vergleichen.

Damit möchte ich schließen, ich hoffe, ich konnte ein paar interessante Aspekte zum Thema Corporate Social Responsibility aufwerfen und damit ein Weiterdenken anregen.

Autor: Dr. Thomas Daniel Zabrodsky

 

Loading Disqus Comments ...
Loading Facebook Comments ...

No Trackbacks.

Zabrodsky - Bild_150px


Dr. Thomas Daniel Zabrodsky


Externer Lehrbeauftragter für Personal & Organisation
Universität Innsbruck

 

XING 32px