Womit große Jungens Spaß haben

oder „Difficile est satiram non scribere.… Eine ernst gemeinte Persiflage

Ein Frühlingsmorgen in Los Straneros.

Der Privatparkplatz vor dem Verwaltungsgebäude glitzert noch im frischen Tau des Morgenlichts. Die Fahrertür des Ferrari Testarossa, zwölf Zylinder, 4,9 Liter Hubraum, Beschleunigung von 0 auf 100km/h in ca. 3 Sekunden und natürlich in knallrotem Chanel-Lippenstiftrot oder sagen wir erotisch-rot …
Letzteres würden Männer sagen, die Superkraftstoff in 12 Zylindern für ein Aphrodisiakum halten.

Der frische Morgen dampft aus kleinen Tropfen auf der lang gestreckten Motorhaube… der Wagen war offensichtlich schnell bewegt worden.

Die Fahrertür öffnet sich … schlanke Beine, voran die Füße, bekleidet oder besser geschmeichelt von handgemachten Schlangenlederschuhen mit Stilletoabsätzen aus V8A Stahl gleiten fließend aus der der Tür. V8A Stahl, das kommt schon einem Geschenk der Götter gleich. Und wer jetzt erscheint, ist Elvira, die elfengleiche Assistentin des Vorstands des weltgrößten Unternehmens WMIA Incororated, Herrn Dr. h.c. Nemo.

Elviras Auto ist eines der letzten Autos mit 12 Zylindern, die keinen Hehl daraus machen, dass sie zu einer Welt gehören, in der das Spiel regiert und dieser Ferrari war ein Geschenk von Dr. Nemo an Elvira.

Nun gut, Elvira liebt die Farbe Rot, so mag sie den Testarossa hauptsächlich der Farbe wegen und ihr morgendliches rotes Kleid übertrifft sogar das frühe Sonnenrot.

Würde jetzt Chris de Burghs Hommage an die „Lady in Red“ erschallen, es wäre gerade recht.

Diese Beschreibung des Auftritts der Elvira erfolgt hier nicht aus Gründen der Genderthematik, also, dass die Damen und Herren der Schöpfung gleichberechtigt sein sollen, nein, an manchen Damen kommt das Auge des Mannes eigentlich nicht vorbei. Insoweit erübrigt sich die ganze Diskussion, jedenfalls bei Elvira und die Frage nach der Gleichberechtigung verludert in den Hormonen, die allerdings nur hinter den im wahrsten Sinne sündhaft teuren rotsamtenen Vorhängen vor den Séparées, den heimlichen Gärten der Lust ihr Spiel treiben und offenbar werden.

Womit wir beim Thema des heutigen Interviews wären.

Wer kennt es nicht, das Abenteuer, die Verlockung der verbotenen Kirschen. Muttern hatte ja auch welche auf dem Küchentisch … aber die verbotenen Kirschen … sind eben unschlagbar …!

Der Interviewer sitzt bereits auf dem biederen braunen Besucherledersofa im Vorstandsbüro, ein Möbelstück, das man fast bigott nennen könnte. Elvira hockt auf ihrem Lieblingsplatz auf der Fensterbank mit Blick auf den Horizont.

Dr. Nemo flattert ins Büro.

Nemo: „Man, war das spannend. Wir haben gerade noch die Kurve gekriegt!“

Interviewer: „Wobei?“

Nemo: „Top-Secret!“

Elvira lächelt.

Interviewer: „Was ist denn spannend in Ihrem Leben? Besitz und Macht haben Sie ja. Oder ist das bereits langweilig geworden?“

Nemo: „Sie stellen Fragen!“

Nun, es ist ja nicht so, dass Nemo sich nicht selber reflektiert oder sagen wir mal so, nicht manchmal nachdenkt über Gott und die Welt. Allerdings, wer mag das schon, dies Reflektieren. Die kleinen Jungs, die Elvira neulich erwähnte, sie leben in jedem Manne. Und diese kleinen Jungs lieben eben die Aufregung. Aber wir wollen nicht vorgreifen.

Interviewer: „Was ist noch spannend in Ihrem Leben?“

In dem Moment erscheint der Clown.

Clown: „Buonaserata!“

Nemo: „Was haben Sie da?“

Clown: „Ich habe 16 kleine bunte Bälle, mit denen ich jongliere. Eigentlich ist das nicht möglich!“

Nemo: „Zeig mal!“

Der Clown zeigt sein Kunststück.

Nemo: „Klasse! Wie geht das?“

Clown: „Ich schummele! Es sind nie 16 Bälle in der Luft, es sieht nur so aus! Ich spiele mit den Gesetzen der Natur.“

Nemo: „Zeig mir den Trick!“

Nun wollen wir hier nicht ausführen, ob der Clown den Trick verrät.

Interviewer: „Herr Dr. Nemo, Sie lieben es zu spielen?“

Nemo: „Ja, schon von klein auf an!“

Interviewer: „Wie heißt das Spiel?“

Nemo: „Über Grenzen gehen. So wie wir damals über den Zaun gingen, um Kirschen zu klauen. Das ist ein Kick! Soll ich etwa Murmeln spielen?“

Interviewer: „Mmmh …“

Elvira blickt auf die Uhr.

Elvira: „Nemo, du musst zum Presseball!“

Nemo eilt aus dem Büro und greift sich den Schlüssel seines Ferrari.
Sein Spielzeug heißt F 512, eine Adrenalinschleuder.

Elvira: „Fahr vorsichtig, heute sind Polizeikontrollen!“

Nemo: „No risk, no fun!“

Elvira begleitet den Interviewer und den Clown wie immer zum Fahrstuhl.

Interviewer: „Das ist ja alles ziemlich high Speed hier! Haben sie nie Angst um Dr. Nemo?“

Elvira: „Fragen Sie lieber, wovor der mächtigste Mensch der Welt Angst hat!“

Interviewer: „Wovor?“

Elvira: „Fragen Sie ihn selbst.“

Clown: „Das kann ja heiter werden!“

Ob der Clown das nun ernst gemeint hat und wie es mit der Angst des CEO ausschaut und ob das vielleicht zu tief gefragt ist und, und, und … das erfahren wir nächsten Dienstag …


 

Das Interview von und mit Kurt August Hermann Steffenhagen hier ebenfalls als Podcast.

Autor: Kurt August Hermann Steffenhagen

Über Kurt August Hermann Steffenhagen 73 Artikel
Der Autor Kurt August Hermann Steffenhagen entlarvt mit unglaublicher Energie, Geistesschärfe und ohne Blatt vor dem Mund veraltete Methoden, Ansichten und Vereinfachungen. Er war über 25 Jahre Berater und Coach im internationalen TopManagement. Sein Thema ist der Paradigmen-wechsel im Denken des Managements. Sein Buch zu diesem Thema mit dem Titel „Management by Farce: Der feine Unterschied zwischen Führung und Eierkochen“ erschien kürzlich im BusinessVillage Verlag.
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Kurt August Hermann Steffenhagen


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Jurist, M&A Coach und Autor

 

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