AssessmentCenter mit Herrn Dr. Nemo

oder „Felix qui potuit rerum cognoscere causas.“ … Eine ernst gemeinte Persiflage

Heute ist ein besonderer Tag. Nemo und das Dreigestirn, Nemo, Fortunata und Elvira an der Spitze des weltgrößten Unternehmens WMIA Incorporated unterziehen sich einem AssessmentCenter. Eine Idee der HR-Abteilung, allen voran Herr Dr. Leftover der promovierte Sozialpädagoge und Leiter der Abteilung im U2 – so steht es auf dem Fahrstuhlknopf –  des Verwaltungsgebäudes von WMIA Incorporated in Los Straneros …

„Piloten müssen doch auch alle 2 Jahre zum Check“, meint Herr Dr. Leftover.

Die Prüfungsfragen sind selbstverständlich dem hierarchischen Status der Teilnehmer angepasst.

Der Test wird mündlich durchgeführt.

Dr. Leftover: „Erste Frage: Wieviel ist 2 mal 2?“

Nemo: „Fünf!“

Dr. Leftover: „Wie kommen Sie darauf?“

Nemo: „Ich habe einen Sicherheitsaufschlag dazugezählt und natürlich noch einen kleinen Gewinn … das Ergebnis ist natürlich nur vorläufig und bestimmt sich nach Angebot und Nachfrage.“

Elvira: „Drei!“

Dr. Leftover: „Wie kommen Sie darauf?“

Elvira: „Ich habe berücksichtigt, dass auf dem Wege zum Ergebnis irgendwo immer was hängen bleibt, zum Beispiel in der Lobby oder die Kosten für kleine Aufmerksamkeiten.“ Dabei spielt sie mit ihrem rosa Diamanten, der so verführerisch ist, dass er eigentlich ein Fall für die Compliance Abteilung wäre.

Fortunata: „Zwei mal zwei ist grün!“

Dr. Leftover: „Wie bitte?“

Fortunata: „Ich bin ein kreativer Mensch. Was schert mich die Wirklichkeit. Kennen Sie Heinz von Förster?“

Dr. Leftover: „Nein, ist der ein neuer Mitarbeiter von WMIA Incorporated?“

Der HR-Leiter ist ob der überraschenden Aussagen perplex.

„Die richtige Antwort lautet „Vier“!“

Interviewer: „Mmmh …“

Leftover kommt zur nächsten Frage: „Was ist der Zweck eines Unternehmens?“

Nemo: „Gewinn natürlich!“

Fortunata: „Die Welt lebenswert zu machen.“

Elvira: „Neue Kunden zu kreieren.“

Der HR-Leiter blättert in seinen Antwortbögen. Er sucht die Antwort und beginnt zu lesen. Nach einer guten halben Stunde meint er: „Na gut, darüber gibt es hier keine finale Antwort, nur verschiedene Meinungen. Mangels Eindeutigkeit nehmen wir das mal aus der Wertung.“

Die neue Frage lautet: „Was verstehen Sie unter agil?“

Elvira kichert: „Wie geil ist das denn?“

Dr. Leftover: „Nein, sie haben sich verhört … „agil“ nicht „ageil“.“

Elvira errötet und was gibt es Schöneres als dieses leichte Rosa im Gesicht einer jungen Frau, dieses Schimmern einer menschlichen Ursprünglichkeit, diese kleinen zerfließenden Aquarelle aus dem Reich explodierender Hormone.

Nemo antwortet: „Na, wenn Sie das nicht wissen, Herr Dr. Leftover, wer denn sonst? Sie haben das doch kreiert.“

Dr. Leftover: „Das Zurückgeben von Fragen ist nicht erlaubt!“

Fortunata: „Ist das ein Kunstwort, dieses „agil“? Wer hat das erfunden? Das ist eine schöne Abwandlung von dem römischen Dichternamen Vergil … endlich kommt die Poesie ins Management. Wer hätte das gedacht?“

Nemo: „Danke der Nachfrage. Jetzt machen Sie mal hin … Nächste Frage.“

Das AssessmentCenter läuft offensichtlich aus dem Ruder. Der HR-Leiter traut sich noch eine letzte Frage zu stellen: „Was bedeutet Erfolg?“

Nemo: „Können die bei HR keine Bilanzen lesen?“

Fortunata: „Erfolg in den Bilanzen ist irrelevant, es zählt nur Zufriedenheit und Glück.“

Elvira: „Wenn alles kommt, wie man es will und dann auch noch im rechten Augenblick.“

Letztere Antwort ist natürlich vieldeutig und was Elvira eigentlich sagt, liegt im Verständnis des Hörers bzw. ist von seinem Alter und dementsprechenden Erlebnissen oder Überraschungen abhängig.

Das Ergebnis des AC ist natürlich unter Verschluss und da bleibt es auch. Herr Dr. Leftover ist froh, dass er in dieser Angelegenheit zur Verschwiegenheit verpflichtet ist.

Ansonsten ist alles wie immer bei WMIA Incorporated, Dr. Nemo geht zum nächsten Termin und der Interviewer wird von Elvira zum Fahrstuhl begleitet.

Interviewer: „Das mit dem Erfolg, was das bedeutet, ist eine interessante Frage.“

Elvira: „Darüber sollten Sie mal mit Dr. Nemo sprechen.“

Wie das Interview ausgeht, erfahren wir wie immer am nächsten Dienstag …


 

Das Interview von und mit Kurt August Hermann Steffenhagen hier ebenfalls als Podcast.

Autor: Kurt August Hermann Steffenhagen

Über Kurt August Hermann Steffenhagen 124 Artikel
Der Autor Kurt August Hermann Steffenhagen entlarvt mit unglaublicher Energie, Geistesschärfe und ohne Blatt vor dem Mund veraltete Methoden, Ansichten und Vereinfachungen. Er war über 25 Jahre Berater und Coach im internationalen TopManagement. Sein Thema ist der Paradigmen-wechsel im Denken des Managements. Sein Buch zu diesem Thema mit dem Titel „Management by Farce: Der feine Unterschied zwischen Führung und Eierkochen“ erschien kürzlich im BusinessVillage Verlag.
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Kurt August Hermann Steffenhagen


Kurt August Hermann Steffenhagen

Jurist, M&A Coach und Autor

 

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