Das Licht im Dunkel

oder „Ex umbra in solem.“ … Eine ernst gemeinte Persiflage

Die Interviews finden ja bekanntlich im 126. Stockwerk des Verwaltungsgebäudes des weltgrößten Unternehmens, WMIA Incorporated also direkt im Vorstandsbüro statt.

Es geht heute darum, Licht in dieses Riesenunternehmen zu bringen … jedenfalls in das Dunkel, das man ahnen kann, das ja entsteht, wenn viel Licht vorhanden ist und Schatten bildet.

Nun darf man die Zentrale der Macht nicht ohne weiters mit dem Licht gleichstellen. Direkt unter der Laterne ist es ja am dunkelsten wie die Chinesen sagen … aber da schaut ja selten jemand hin.

Die Laterne? Das Licht? Die Lichtgestalten … Es gibt sie seit Menschengedenken. Die erste Lichtgestalt war der Gottvater Zeus, der unzählige Affären mit wunderschönen Göttinnen hatte, Vetternwirtschaft, Morde, Immobiliengeschäfte mit ganzen Erdteilen, Positionsgeschacher, mit einem Wort, die Familie des Obergottes Zeus war immer gut bedacht und hatte Einfluss.

Apropos schöne Göttinnen … Elvira die rechte und linke Hand des CEO Dr. Nemo, auch sie lebt hier im Olymp, so nennt man ja die Arbeitsplätze unserer Eliten. Man sollte es ihm gönnen, dem Gottvater Dr. Nemo, dass er mit dieser Göttlichen eine Affäre hätte, aber so weit wollen wir die Parallelen zum Zeus nicht ziehen … dem Respekt vor seiner Privatsphäre und auch der Elviras gehorchend.

Mal sehen, ob dies Interview mit Dr. Nemo etwas über das erzählt, das durch das Dunkel der im Licht der Macht Lebenden leuchtet.

Interviewer: „Kann man denn in einem so großen Unternehmen in alle Ecken leuchten? Kann man entdecken, wo krumme Sachen laufen?“

Nemo: „Nicht wirklich … Man oder besser ich kann ja nicht alles wissen.

Interviewer: „Na ja … immerhin sind Sie der Boss und tragen die Verantwortung.“

Nemo: „Wir haben deshalb eine Abteilung, die sich um die Einhaltung der Gesetze kümmert. Der Chef der Complianceabteilung ist ein ehemaliger Nachtwächter, wir verabschieden ihn übermorgen, er geht in die Betriebsrente. Sein Nachfolger ist der Sohn unseres Aufsichtsratsvorsitzenden. Ich halte große Stücke auf ihn. Der macht bei uns noch Karriere. Wir bezahlen ihn gut.

Interviewer: „Wenn Sie so eine Abteilung haben, dann ahnen Sie doch, was faul ist im Staate Dänemark, wie Hamlet sagen würde. Wenn Sie solche Leute brauchen, ist dieser Olymp wohl nicht der Himmel der Unbefleckten. So ist es denn die Hölle hier?“

Nemo: „Wir tragen schließlich eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und ihren Gesetzen!

Interviewer: „Ist das nicht selbstverständlich? Das trägt doch jeder! Ich jedenfalls beachte weitgehend alle gesetzlichen Regeln, geht ja nicht anders.“

Nemo: „Doch, es geht sehr wohl anders. Das haben wir ja schon erlebt.

Interviewer: „Oh, so ehrlich?“

Nemo: „Klar, wir geben natürlich alles zu, jedenfalls das, was schon bekannt ist.

Der Clown kommt ins Büro.

Clown: „Oh, wie schön hell es hier ist!“

Nemo: „Ja, das ist WMIA Incorporated, alles ganz hell!

Interviewer: „Mmmh …“

Clown: „Herr Dr. Nemo, darf ich Ihnen einmal einen Witz erzählen?“

Nemo: „Ja, gerne!

Der Clown geht zum CEO und flüstert ihm einen Witz ins Ohr. Nemo bricht in schallendes Gelächter aus. Der Interviewer hätte zu gern den Witz auch gehört und fragt danach. Elvira hält sich zurück und verlässt das Büro.

Clown zum Interviewer: „Wissen Sie, es gibt Dinge, die man unter sich behält, man sagt sie nie laut und die machen so richtig Spaß!“

Was das nun mit Compliance, Moral und den dunklen Seiten zu tun hat, darüber könnte man sinnieren.

Inzwischen kehrte Elvira ins Büro zurück. Sie war kurz an den Wäscheschrank im Vorzimmer gegangen und brachte einen dieser auswechselbaren Kragen, den die Manager an ihren maßgeschneiderten Hemden tragen, zurück. Er war blütenweiß, ein original „White Collar“. Der stammt aus der Hall of Fame der GSA, der „General-Serious-Association“ und wird jedes Jahr gegen eine 7-stellige Spende verliehen. Nemo hat neunundvierzig Stück davon, sie leuchten hell.

Also, Dr. Nemo eilt mit weißen Kragen zur jährlichen Pressekonferenz und Elvira begleitet den Interviewer und den Clown wie immer zum Fahrstuhl.

Interviewer: „Elvira, warum hielten Sie sich bei dem Witz zurück? Warum fragten Sie nicht wie ich danach?“

Elvira: „Weil die Witze meistens alt sind und immer den gleichen Inhalt haben. Kleine Jungs erfreuen sich am Verbotenen, sie haben Spaß daran, die Burschen.“

Clown: „Eigentlich war es kein Witz, den ich erzählte.“

Interviewer: „Was denn? Woran erfreuen sich die hohen Herrschaften? Und, Elvira, was meinen Sie mit „kleine Jungs?““

Das ist eine gewagte These von Elvira und dem Clown.

Nächste Woche Dienstag wird also spannend und das ist kein Witz …


 

Das Interview von und mit Kurt August Hermann Steffenhagen hier ebenfalls als Podcast.

Autor: Kurt August Hermann Steffenhagen

Über Kurt August Hermann Steffenhagen 54 Artikel
Der Autor Kurt August Hermann Steffenhagen entlarvt mit unglaublicher Energie, Geistesschärfe und ohne Blatt vor dem Mund veraltete Methoden, Ansichten und Vereinfachungen. Er war über 25 Jahre Berater und Coach im internationalen TopManagement. Sein Thema ist der Paradigmen-wechsel im Denken des Managements. Sein Buch zu diesem Thema mit dem Titel „Management by Farce: Der feine Unterschied zwischen Führung und Eierkochen“ erschien kürzlich im BusinessVillage Verlag.
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Kurt August Hermann Steffenhagen


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Jurist, M&A Coach und Autor

 

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