Der Pakt des Dr. h.c. Any Nemo

oder „Ultima ratio?“… Eine ernst gemeinte Persiflage

Es gehört zum Wesen eines lebendigen Menschen, immer für eine Überraschung gut zu sein. Man mag über Dr. Nemo denken wie man will, ein gewisses Quantum an Skurrilität wird man ihm nicht absprechen können, etwas seltsam Schillerndes umgibt ihn und seine hausgebackene Philosophie über das Management ist frappierend.
Doch heute wird er dem Fass den Boden raushauen.

Thema des heutigen Interviews ist die Klärung der Frage, mit wem Dr. Nemo den Pakt geschlossen hat, der WMIA Incorporated in diesen wilden Zeiten retten soll.
Der Pakt… schon Dr. Faustus schloss aus Verzweiflung über die Welt einen solchen Pakt und der Gedanke an Mephisto liegt auch hier nicht fern.
Doch weit gefehlt und außerdem ist dies Satire, die das Leben schrieb, die Verfremdung, die sich mit einem Funken der Wahrheit begnügt.

Der Interviewer nimmt im Vorzimmer des Vorstandsbüros Platz. Aus dem Büro klingt Musik.

Elvira erscheint.

Elvira: „Kommen Sie mein Herr, es ist angerichtet.

„Monoman“, denkt der Interviewer, „angerichtet?“

Aber es kommt noch doller.

Der Schreibtisch des Dr. Nemo befindet sich bekanntlich auf einer Drehbühne. Nemo ist auch Pianist wie wir wissen und seine Tochter ist Sängerin. Soweit nix Bemerkenswertes, nur auf der Bühne, die sich in das Büro gedreht hatte, steht ein Clown, mitten in einer bunten Manege, ein Scheinwerfer wirft flimmerndes Licht auf ihn.

Er schmettert das alte Lied. „Oh mein Papa war eine wunderbare Clown, oh mein Papa…

Nemo winkt dem Clown. Er hält inne.

Stille.

Der Interviewer: „Mmmh…“

Elvira wischt sich ein paar Tränen aus den Augen. Sie liebt wohl den Clown oder mehr noch sie liebt die Clownerie.

Übrigens, wir befinden uns im 124. Stock, Vorstandsbüro des Verwaltungsgebäudes von WMIA Incorporated, dem größten Unternehmen der Welt. Hier spielt die Musik.

Nemo: „Ich möchte Ihnen Scaramouche vorstellen. Ich habe mit ihm einen Pakt geschlossen.

Interviewer: „Das also ist des Pudels Kern?“

Scaramouche kommt von der Bühne.

Scaramouche ist eigentlich eine komische Figur des italienischen Volkstheaters Commedia dell’arte, na ja lassen wir ihn hier mal auftauchen… der grundsätzliche Charakter der Figuren bleibt auch über die Zeit gleich oder zumindest ähnlich.
Er verneigt sich vor dem Interviewer. Ein wenig Geruch von Puder fliegt mit ihm, dieser Geruch von „La Strada“, dem Film, der das Drama des Seins umarmte.

Nemo: „Scaramouche und ich haben einen Pakt geschlossen. Wenn Scaramouche WMIA Incorporated rettet, werde ich ein Clown, wenn nicht …. daran mag ich nicht denken.

Elvira, und das entgeht dem Interviewer nicht, hebt die Brauen.

Kleine Bemerkung des Interviewers zu der vergessenen Welt der Poesie. Ein Clown hat immer ein Gegenüber, Pierrot, der weiß geschminkte, elegante, der Vertreter des „Aber“, der die galoppierenden Pferde der Clownerie im Zaume hält.

Der Interviewer ist in Gedanken. „Ist Elvira schon längst Pierrot? Und weiß Dr. Nemo nicht, dass er eigentlich ein Clown ist und Scaramouche, welche Rolle spielt er?

Was wird Nemo tun, um den Pakt zu gewinnen oder gewinnt Scaramouche?
Wird das Lachen die Welt retten oder der Intellekt?“

Elvira begleitet den Interviewer wie immer zum Fahrstuhl.

Interviewer: „Sagen sie, Elvira, irgendwie sprengt das hier mein Hirn.“

Elvira: „Wo das Verstehen aufhört, beginnt die Poesie…

Interviewer: „Werden wir also die Ansichten eines Clowns in der nächsten Woche hören, Ansichten über die wichtigen Themen des Managements?“

Elvira: „Das Wichtige ist eine Frage der Perspektive und welche das ist, werden Sie nächste Woche hören.

Der Interviewer verließ das imposante Verwaltungsgebäude von WMIA Incorprated und begegnete einem Straßenclown. Er trug die kleinste Verkleidung der Welt, eine rote Nase, seine Hosen waren lächerlich weit geschnitten und sein Schlips bot ihm ein „Du“ an.

Mal sehen, was wir von Dr. Nemo hören, nächste Woche… Dienstag.

 


 

Das Interview von und mit Kurt August Hermann Steffenhagen hier ebenfalls als Podcast.

Autor: Kurt August Hermann Steffenhagen

Über Kurt August Hermann Steffenhagen 124 Artikel
Der Autor Kurt August Hermann Steffenhagen entlarvt mit unglaublicher Energie, Geistesschärfe und ohne Blatt vor dem Mund veraltete Methoden, Ansichten und Vereinfachungen. Er war über 25 Jahre Berater und Coach im internationalen TopManagement. Sein Thema ist der Paradigmen-wechsel im Denken des Managements. Sein Buch zu diesem Thema mit dem Titel „Management by Farce: Der feine Unterschied zwischen Führung und Eierkochen“ erschien kürzlich im BusinessVillage Verlag.
Loading Disqus Comments ...
Loading Facebook Comments ...

No Trackbacks.

Kurt August Hermann Steffenhagen


Kurt August Hermann Steffenhagen

Jurist, M&A Coach und Autor

 

Home