Ein Klassiker der Managementliteratur bei WMIA Inc.: Der Struwwelpeter

oder „Quidquid agis, respice fínem!“… Eine ernst gemeinte Persiflage

An die alte Weisheit „Da, wo man sucht, findet man nichts“ zu glauben, fällt schwer. Sie bestätigt sich jedoch meist, insbesondere dann, wenn man glaubt zu wissen, wo der verlorene Schlüssel liegt. Da liegt er eben nicht.
Der Schlüssel, um den es hier geht, ist der Schlüssel zu den Spitzen des Managements, die Erklärung oder zumindest Beschreibung ihres Denkens, also in unserem Falle zu Dr. Nemo, CEO von WMIA Inc., Los Straneros.

Was weiß man so über diese Kreise, die über den Wolken schweben, im 124. Stockwerk des Verwaltungsgebäudes oder sagen wir mal so: Was lässt man sich dort vorlesen, jedenfalls, wenn man eine so bezaubernde und kluge Assistentin wie Elvira neben sich weiß.

Der Interviewer ist heute mit Elvira verabredet. Dr. Nemo weilt auf einem Kongress. Man trifft sich in ihrem Büro.

Das Buch „Struwwelpeter“ und sein Zusammenhang zum Management beschäftigten den Interviewer die ganze letzte Woche, seit Elvira dieses Buch erwähnte… Jetzt endlich wird er wohl die Auflösung dieses „Rätsels“ erfahren.

Interviewer: „Sie wollten mir etwas über das Lehrbuch zum Management wie Sie es nennen, zum „Struwwelpeter“ sagen.“

Elvira schmunzelt und legt erstmal das Buch zur Seite.

Interviewer: „Ist der Struwwelpeter nicht eigentlich ein Kinderbuch? Was hat das mit dem Topmanagement zu tun, mich wundert’s.“

Elvira: „Auf den ersten Blick findet man den Struwwelpeter nicht in der Abteilung „Management“ in der Buchhandlung oder bei Amazon. Auf den zweiten Blick trifft dies Buch ins Schwarze.

Interviewer: „Wo ist dies Schwarze?“

Elvira: „Dies Schwarze liegt im blinden Fleck des Topmanagements und eben auch von Dr. Nemo.

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Interviewer: „Was meinen sie mit Blinder Fleck?“

Elvira: „Der blinde Fleck ist das Nichtsehen, Nichtsehenwollen, Nichtsehenkönnen der Realität. Kennen Sie den Satz: „Wehe, wenn sie losgelassen?“, keiner schaut hin, was passiert.

Hier am Rande zur Erläuterung: Der Satz stammt aus Schillers „Glocke“ und beschreibt das Inferno, wenn die Naturgewalten nicht mehr kontrollierbar sind. Naturgewalten kann man heute auch mit der nicht mehr fassbaren Komplexität der Welt vergleichen… das zu erkennen, ist eine Aufgabe unserer Zeit …

Interviewer: „Nun gut, die Dinge sind wie sie sind. Was hat das mit dem Topmanagement zu tun?“

Elvira: „Nemo und seine Kollegen, er ist gerade bei einem Kongress mit ihnen, verhalten sich wie kleine Jungens. Sie sind mächtig, die Könige im Management-Tierreich und zu viel Macht in der Hand, endet wie bei der Figur Paulinchen mit den Zündhölzern in Schrecken.

Dem Interviewer fällt noch eine berühmte Zeile des Dichters Schiller ein:

„Jedoch der schrecklichste der Schrecken,
Das ist der Mensch in seinem Wahn.
Weh denen, die dem Ewigblinden
Des Lichtes Himmelsfackel leihn!
Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
Und äschert Städt und Länder ein.“

Interviewer: „Warum lesen Sie Dr. Nemo aus dem Struwwelpeter vor? Kann man das nicht direkt sagen, was die Botschaft ist?“

Elvira: „Nein, die Herrschaften sind nicht in der Lage, mit etwas konfrontiert zu werden. Daher hat man auch schon früher den ungezogenen Jungens Bilderbücher geschenkt. Struwwelpeter ist eine Warnung an unerzogene, dumme Kinder. Diese Warnung gilt auch fürs Topmanagement in diesen Zeiten.

Interviewer: „Elvira, wie kommen Sie auf solche Gedanken?“

Elvira: „Ich bin eine Erzählerin, so ähnlich wie die Narren früher am Hofe. Meine Schönheit ist nur ein oberflächliches Signal, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das Buch enthält Metaphern und das ist der Trick mit den Metaphern… sie greifen nicht konfrontativ an… gehen aber unter die Haut hoffentlich… die Jungens können ja nichts dafür… so sind sie halt.

Interviewer: “Welches ist ihre Lieblingsgeschichte im Struwwelpeter?“

Elvira: „Es ist der Hans Guck-in-die-Luft.

Interviewer: „Warum gerade der?“

Elvira: „Das Topmanagement kennt nur eine Blickrichtung und die ist nach oben. Sie greifen nach den Sternen ohne zu schauen, wo sie sind und nicht nach links oder rechts, im Struwwelpeter endet das schlimm.

Interviewer: „Mmmmh und welche Geschichte noch?“

Elvira: „Der Zappelphillip ist auch ganz treffend. Heute würde man das Aktionismus nennen. Man tut halt was und wieder etwas und ohne einen Zusammenhang.

Interviewer: „Das ist ein düsteres Bild, das Sie da malen.“

Elvira: „Meinen Sie, der Autor hätte sich das damals aus den Fingern gesogen?

Apropos Saugen, dem Interviewer war nach einer Zigarette.

„Kann man hier rauchen?“

Klar, wir rauchen hier alle obwohl es verboten ist… Sie wissen doch wie die kleinen Jungs sich verhalten.

Interviewer: „Was liest denn Dr. Nemo so ganz privat?“

Elvira: „Er liest am liebsten Märchen.

Interviewer: „Welche Märchen?“

Elvira lächelt. „Das fragen Sie ihn mal lieber selber. Am nächsten Dienstag…

 

Das Interview von und mit Kurt August Hermann Steffenhagen hier ebenfalls als Podcast.

Autor: Kurt August Hermann Steffenhagen

Über Kurt August Hermann Steffenhagen 127 Artikel
Der Autor Kurt August Hermann Steffenhagen entlarvt mit unglaublicher Energie, Geistesschärfe und ohne Blatt vor dem Mund veraltete Methoden, Ansichten und Vereinfachungen. Er war über 25 Jahre Berater und Coach im internationalen TopManagement. Sein Thema ist der Paradigmen-wechsel im Denken des Managements. Sein Buch zu diesem Thema mit dem Titel „Management by Farce: Der feine Unterschied zwischen Führung und Eierkochen“ erschien kürzlich im BusinessVillage Verlag.
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Kurt August Hermann Steffenhagen


Kurt August Hermann Steffenhagen

Jurist, M&A Coach und Autor

 

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