Die Einfachheit des Seins

oder „Docet umbra.“ … Eine ernst gemeinte Persiflage

Es ist nicht nur der heiße Sommer, der die Vorstände von WMIA Incorporated dampfen lässt, es ist die Veränderung der Welt. Sie scheint in diesen Tagen an sich selbst zu zerbrechen …

Es ist furchtbar, jedenfalls aus der Sicht derjeniger Führungskräfte, deren Denken auf Theorien, auf Annahmen über das Leben, die Ökonomie, na ja eben all das beruht und die, so könnte man meinen, in einer Parallelwelt leben, deren Gesetze sie selber schreiben. Und, dies sei noch dazu bemerkt, eine Parallelwelt, die von Angst bestimmt ist.

Aber wir werden sehen.

Nemo hat einen Bruder namens Umbra. Er verkleidet sich gern als Clown und besuchte Nemo unerkannt des Öfteren. Nun ist die Maske gefallen, der Clown, Umbra, der Schatten, das wäre die Übersetzung dieses Namens, lädt Nemo, den CEO vom Ganzen, Elvira seine hinreißende Assistentin, Fortunata, seine Ehefrau und natürlich den Interviewer zu sich nach Hause ein.

Man fährt im Bentley Cabriolet vor die Tore von Los Straneros, der Stadt, in der WMIA Incorporated seinen Verwaltungssitz hat und die als größter Arbeitgeber dort locker auch WMIA-City heißen könnte.

Umbra, der Bruder Nemos ist Olivenbauer.

Vielleicht einen Kilometer vor seinem Haus wandelt sich der Weg in einen holprigen Pfad. Man lässt den Bentley stehen und geht zu Fuß.

Nemo: „Umbra, das musst Du doch asphaltieren, damit man direkt zu deinem Haus fahren kann!

Umbra: „Wenn ich den Weg befestigen würde, wäre es nicht mehr mein Weg nach Haus.“

Interviewer: „Mmmh …!“

Die Oliven blühen, prall hängen die Fruchtansätze an den Ästen. Es duftet, Blütenblätter wehen im Wind.

Nemo: „Wird wohl eine gute Ernte!

Umbra: „Mag sein.“

Nemo: „Wie, mag sein?

Umbra: „Ich weiß es nicht, wir werden sehen!“

Nemo: „Wir werden sehen? Was ist, wenn der Regen, der Wind, die Schädlinge Dir die Ernte zerstören? Wie managst Du Deinen Betrieb, Deine Ziele, Deine Ergebnisse? Was meinst Du mit „Wir werden sehen“?

Elvira hat inzwischen von den wild wachsenden Blumen, die am Wege blühen, einen Strauß gepflückt.

Elvira: „Schau mal, Nemo, kennst Du die Blumen?“

Nemo: „Nein, sind halt Blumen …“

Fortunata steckte sich eine Blume ins Haar.

Man erreicht das Haus des Umbra und blickt in ein Tal voller Oliven. Ganz hinten schimmert das Meer.

Nemo: „Ganz schön hier, aber Du hast nur ein Meer, auf das Du schaust! Ich blicke von meinem Büro auf alle sieben Weltmeer!

„Sieh mal an“, denkt der Interviewer, „die Geschwisterkonkurrenz, dies „Ich bin besser als du“ scheint es auch noch im hohen Erwachsenenalter zu geben. Aber vielleicht werden Männer ja nie erwachsen …“

Fortunata: „Im Unterschied zu Deinem Bruder blickst Du nur auf Videos, die auf Deine Fenster projiziert werden. Dies hier ist echt, Du kannst das Meer sogar riechen.“

Nemo: „Gute Idee. Wir sollten die Gerüche der Meere in die Filme einspielen.

Umbra schmunzelt. Nemo nimmt ein Glas vom Landwein und setzt sich an den Holztisch, der vor dem Haus steht.

Elvira macht es sich auf der Terrasse bequem. Sie trägt ein weißes luftiges Kleid mit pastellfarbenen Blumen. Welcher Anblick nun schöner ist, das Meer oder Elvira, vermag der Interviewer nicht zu entscheiden … Vielleicht ist beides einfach nur schön.

Nemo: „Wie, nach welchem System arbeitest Du hier, wie optimierst Du Deine Ernte? Was machst du gegen Schädlinge? Sprühst du Gift, bist du nicht in Sorge, dass Dir die Ernte mal verdirbt?

Umbra: „Nein, kein Gift, nichts Künstliches.“

Nemo: „Ziemlich unsicheres Leben … Abhängig von der Natur. WMIA Incorporated könnte so nicht funktionieren. Wo kämen wir denn da hin?

Fortunata: „Gift wirkt eine Weile, aber am Ende des Tages hast Du nichts damit gewonnen. Es produziert nur scheinbare Erfolge, es nimmt Dir nur die Angst vorm Scheitern.“

Elvira: „Sicherheit im Handeln ist doch wichtig. Wir experimentieren mit verschiedenen Methoden bei WMIA: Managementmethoden, Führungsansätze … Zum Beispiel haben amerikanische Wissenschaftler herausgefunden, dass Menschen optimal arbeiten, wenn sie …“

Bevor Elvira ihren Satz zu Ende sprechen kann, sagt Umbra: „Ach, ist das so? Wirklich?“ Diese Frage hat Umbra seinerzeit als Clown schon manchmal gestellt, jetzt schwebt sie wie ein Fragezeichen in die Runde.

Nemo: „Dann erklär mal, wie Du arbeitest, die Ernte optimierst und mit Deinen Mitarbeitern umgehst!

In der Frage Nemos schwingt eine gewisse Ironie.

Umbra: „Wir leben, solange wir nicht sicher sind.“

Nemo: „Na gut, aber was tust Du, worauf gründest Du Dein Handeln?

Umbra: „Ich schaue, ich höre, ich rieche … ich fühle in mein Herz und meinen Bauch …“

Nemo blickt auf die Uhr. „Ich muss zum nächsten Termin!

Man geht den holprigen Weg zum Bentley zurück.

Elvira: „Ich schaue, ich höre, ich rieche … jedenfalls ist das eine gute Idee für diesen steinigen Weg. Ob Nemo das in seinen Alltag übersetzen kann … vederemo … wie der Italiener sagt … schaun wir mal.“

Wenn denn alles tatsächlich nicht so sicher ist, wird es spannend bei WMIA Incorporated. Und was dann geschieht, erfahren wir nächsten Dienstag …


 

Das Interview von und mit Kurt August Hermann Steffenhagen hier ebenfalls als Podcast.

Autor: Kurt August Hermann Steffenhagen

Über Kurt August Hermann Steffenhagen 127 Artikel
Der Autor Kurt August Hermann Steffenhagen entlarvt mit unglaublicher Energie, Geistesschärfe und ohne Blatt vor dem Mund veraltete Methoden, Ansichten und Vereinfachungen. Er war über 25 Jahre Berater und Coach im internationalen TopManagement. Sein Thema ist der Paradigmen-wechsel im Denken des Managements. Sein Buch zu diesem Thema mit dem Titel „Management by Farce: Der feine Unterschied zwischen Führung und Eierkochen“ erschien kürzlich im BusinessVillage Verlag.
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Kurt August Hermann Steffenhagen


Kurt August Hermann Steffenhagen

Jurist, M&A Coach und Autor

 

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