Die Kunst im Management

oder „Saepius opinione quam re laboramus!“ … Eine ernst gemeinte Persiflage

So selten ist es nicht, dass CEOs von großen Unternehmen eine Künstlerin an ihrer Seite haben.
Schauspielerinnen, Sängerinnen und bei Dr. Nemo, dem CEO des größten Unternehmens der Welt WMIA Incorporated ist es eine Malerin, seine Gattin Fortunata …

Meist zerlaufen sich diese Beziehungen, weil die Arme, die nach den Sternen einer glücklichen Zweisamkeit hätten greifen können, zu kurz waren oder die Spannung zwischen dem Flirren der Kunst und der in Stein gehauenen Betriebswirtschaftslehre bei dem einen oder anderen zum geistigen oder emotionalen Kurzschluss führte.

Fortunata jedenfalls ist mit Nemo seit über 30 Jahren verheiratet. Das klingt gut und wer das Rezept dafür erfahren möchte, irrt schon in der Frage.

Der Interviewer trifft im Vorzimmer des Vorstands … Nemo hat übrigens fünf Vorzimmer, aufgereiht wie eine Perlenschnur, da müssen alle durch … ob er damit den Abstand zur Wirklichkeit des Unternehmens verdeutlicht, überlassen wir der Interpretation nachfolgender Generationen …
Also, um den Faden wiederaufzunehmen, der Interviewer begegnet Elvira, der zauberhaften Assistentin des Dr. Nemo, die wie immer so gekleidet ist, dass jedenfalls die männlichen Besucher bei ihrem Anblick etwas entdecken, was man Phantasie nennen könnte … übrigens, eine gute Idee für eine Intervention im nächsten Kreativitätsworkshop für Verführungskräfte … Kreativität ist ja die Mutter der Disruption … aber wir schweifen ab und überlassen weitere Gedanken hierzu der HR-Abteilung.

Interviewer: „Heute ist ja Fortunata wieder dabei. Eigentlich verwunderlich, dass sie solange hier bleibt … Ist WMIA Incorporated etwa in einer Krise?“

Elvira: „Ob ein Unternehmen in einer Krise ist, ist nicht davon abhängig, ob das Management darum weiß.“

Interviewer: „Mmmh …!“

Elvira: „Sie kennen sicher das Höhlengleichnis von Platon?“

Interviewer: „Ja klar, aber was hat das mit Dr. Nemo und WMIA Incorporated zu tun?“

Elvira: „Das Platon’sche Höhlengleichnis dreht sich um die Frage, wie oder ob man zu einer Erkenntnis über die Wirklichkeit kommen kann.“

Interviewer: „Na ja, ist das nicht nur Philosophie?“

Elvira: „Die Betonung liegt wohl auf dem Wörtchen „nur“?“

Interviewer: „Ja klar, die Berater des CEO sind ja nun weiß Gott keine Philosophen, sondern Leute, die Bescheid wissen.“

Elvira: „Letztendlich ist das Thema, das den CEO beschäftigt, die Erkenntnis darüber, was im Unternehmen und auf der Welt so abgeht, um es salopp zu sagen …“

Die Unterhaltung wird unterbrochen.

Fortunata erscheint mit Dr. Nemo. Man nimmt in den braunen Ledersesseln im Vorstandsbüro Platz.

Fortunata dreht sich eine Zigarette.

Nemo: „Was tust Du da? Du rauchst neuerdings?“

Fortunata: „Ja, eine Zigarette am Morgen, selbstgedreht und dieses Drehen ist für mich als Laien im Zigarettendrehen meine tägliche Übung in Demut …“

Nemo: „Na gut, willst Du Feuer“?

Fortunata: „Nein danke. Ich habe aber etwas Feuer für Dich!“

Nemo schaut verwundert.

Fortunata entzündet ihren krummen Glimmstängel und bläst genüsslich den blauen Rauch des ersten Zuges vor sich hin.

Fortunata: „Nemo, sag mal, ist Deine Rolle als CEO nicht eigentlich überflüssig?“

Nemo: „Wenn Du wüsstest, was ich alles zu tun habe und außerdem ist das längst und lange diskutiert.“

Fortunata drückt ihre Zigarette aus und sagt: „Nemo, ich mache Dir einen Vorschlag.“

Nemo: „Und der wäre?“

Fortunata: „Wir reden über Management. Du stellst Deine Erfahrung in den Raum und ich werde jeweils das Gegenteil behaupten.“

Nemo: „Das kenne ich, das nennt man Diskussion.“

Fortunata: „Ich weiß. Allerdings beginnen meine gegenteiligen Behauptungen nicht mit dem Wörtchen „aber“, sondern mit dem Wörtchen „und“.

Nemo: „Und das soll was heißen?“

Fortunata: „Das Gegenteil ist nicht der Widerspruch, sondern die Ergänzung unserer Wahrheit. Wir Künstler fügen etwas zusammen und benutzen den Begriff „Gegenteil“ nicht. Oder kennst das das Gegenteil der Farbe Weiß?“

Herr Dr. Nemo muss wieder zum nächsten Termin.

Elvira, Fortunata und der Interviewer gehen zum Fahrstuhl.

Interviewer: „Hat Nemo das Bild, das Fortunata gemalt hat, verstanden?“

Elvira: „Wir werden sehen, nächsten Dienstag …“


 

Das Interview von und mit Kurt August Hermann Steffenhagen hier ebenfalls als Podcast.

Autor: Kurt August Hermann Steffenhagen

Über Kurt August Hermann Steffenhagen 80 Artikel
Der Autor Kurt August Hermann Steffenhagen entlarvt mit unglaublicher Energie, Geistesschärfe und ohne Blatt vor dem Mund veraltete Methoden, Ansichten und Vereinfachungen. Er war über 25 Jahre Berater und Coach im internationalen TopManagement. Sein Thema ist der Paradigmen-wechsel im Denken des Managements. Sein Buch zu diesem Thema mit dem Titel „Management by Farce: Der feine Unterschied zwischen Führung und Eierkochen“ erschien kürzlich im BusinessVillage Verlag.
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Kurt August Hermann Steffenhagen


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Jurist, M&A Coach und Autor

 

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