Die Uhr tickt …

oder „Tempus fugit“ … Eine ernst gemeinte Persiflage

Es gibt so Einiges, worüber man nicht gern spricht … schon gar nicht in der Öffentlichkeit und sowieso nicht bei WMIA Incorporated.
Das ist verhüllt in Schweigen, worauf der Sand der rinnenden Zeit rieselt.

Dr. Nemo ist nervös, er geht auf und ab. Die Zeit oder was auch immer hat ihn eingeholt, es brodelt in der Welt der Großen. Der unverwundbare Zampano an der Spitze des weltgrößten Unternehmens sieht angeschlagen aus.
Seines Zeichens ist er CEO oder lassen wir mal diesen wortungetümen Titel, der bestenfalls ein ordentliches Gehalt rechtfertigt aber meist auch nicht viel mehr.

Im Familienkreise, also bei Elvira und Fortunata heißt Nemo und darauf hört er, wenn auch mit leichtem Zucken seiner Brauen auf diesen Namen: „Väterchen“.

Der Ursprung dieses Namens für Nemo ist ungeklärt, jedenfalls ist es nicht Väterchen Frost, die Familie entstammt immerhin dem warmen Italien.

Worüber man nicht gern spricht … wir werden es gleich hören.

Einer der Söhne Nemos, Nemo hat sich eigentlich nie um ihn gekümmert außer mit guten finanziellen Zuwendungen, hat vor ein paar Jahren in Fernost ein Unternehmen gegründet, weltumspannend und ist inzwischen, man hatte es nicht so recht ernst genommen, ein direkter gefährlicher Konkurrent zu WMIA Incorporated. Er nennt es „Aladin“ nach der Figur aus dem orientalischen Märchen.

Nemo: „Die Frechheit, selbstständig zu denken und zu handeln nennt man ja neuerdings Agilität. Für mich heißt das „Mein Sohn muckt auf!

Interviewer: „Sie könnten doch stolz auf ihn sein!“

Nemo: „So haben wir aber nicht gewettet. Die Treue zu WMIA Incorporated, die Treue zur Familie, zu den Werten der Tradition dieses Unternehmens ist ein ehernes Gesetz! WMIA Incorporated ist ein anderes Wort für Heimat, nein, WMIA ist Heimat … Was bildet sich der Kerl ein, der soll mal …

Nemo wirft wütend den Buddha von seinem Schreibtisch gegen die Wand. Elvira hebt ihn auf, er bleibt heil.

Elvira: „Und nun, Väterchen?“

Fortunata: „Nemo, Du kannst dich drehen wie Du willst und Buddhas gegen die Wand werfen … Es geht nicht mehr nur um Change, das greift zu kurz, the world is different, die Karten sind längst neu gemischt!“ Und um Väterchen eine Chance zu geben, fügt sie hinzu: „Das weißt Du doch schon längst!“

Interviewer: „Mmmh …!“

Das Ticken der Uhr, jener Uhr, die wir alle kennen und die wir gerne überhören, das Ticken der Uhr, das dann erstirbt, wenn alles zu Ende ist … schwebt wie ein Geist im Vorstandsbüro.

Nemo: „Aladin bedroht unsere Existenz!

Der Clown erscheint.

Clown: „Wer wütend ist, hat Angst!“

Nemo: „Ich kenne keine Angst …

In dem Moment nimmt der Clown seine Nase ab, wischt die Schminke vom Gesicht, lässt sein Harlekinoutfit fallen. Zum Vorschein kommt ein Mann in Bauernkleidung, schlicht und als er sich der Schminke vollends entledigt hat, sieht man ein von der Arbeit im Freien gegerbtes Gesicht und seine schwieligen Hände.

Nemo erstarrt.

Nemo: „Umbra, mein Bruder!

Worüber man selten spricht … jetzt sind es die Tränen Nemos.

Es mag dahingestellt sein wie die Eltern der beiden Brüder darauf kamen, den einen von beiden Nemo, also übersetzt „Niemand“ zu nennen und den anderen „Umbra“, also „Schatten“ … jedenfalls in diesem Moment, wo sich zwei parallele doch weit voneinander entfernte scheinbar ins Unendliche führende Linien zweier Leben berühren, macht das irgendwie Sinn … jedenfalls denkt das der Interviewer.

Umbra, der ehemals als Clown verkleidete Bruder Nemos: „Nemo, wir sind alle bei Dir.“

Nemo: „Was soll ich tun?

Umbra: „In Deiner Situation hilft es nicht, noch klügere Ingenieure auf die Kommandobrücke zu holen. Man muss sich nach den Menschen umsehen, die noch wissen, nach den Sternen zu navigieren.“

Und als Nemo das hörte, trockneten seine Tränen.

Der Interviewer geht mit Elvira durch den Park des Verwaltungsgebäudes. War ja harter Tobak, diese kurze Sitzung.

Interviewer: „Was ist der nächste Schritt?“

Elvira: „Wir fahren aufs Land zu Umbra, dem Bruder Nemos.“

Was dort geschieht und was das für Nemo bedeutet, erfahren wir nächsten Dienstag …


 

Das Interview von und mit Kurt August Hermann Steffenhagen hier ebenfalls als Podcast.

Autor: Kurt August Hermann Steffenhagen

Über Kurt August Hermann Steffenhagen 135 Artikel
Der Autor Kurt August Hermann Steffenhagen entlarvt mit unglaublicher Energie, Geistesschärfe und ohne Blatt vor dem Mund veraltete Methoden, Ansichten und Vereinfachungen. Er war über 25 Jahre Berater und Coach im internationalen TopManagement. Sein Thema ist der Paradigmen-wechsel im Denken des Managements. Sein Buch zu diesem Thema mit dem Titel „Management by Farce: Der feine Unterschied zwischen Führung und Eierkochen“ erschien kürzlich im BusinessVillage Verlag.
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Kurt August Hermann Steffenhagen


Kurt August Hermann Steffenhagen

Jurist, M&A Coach und Autor

 

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