Dr. Nemo | Fifty Shades of Grey

oder „homines artibus coniuncti“ … Eine ernst gemeinte Persiflage

Heute gibt es zwei Protokolle zu Begegnungen im Vorstandsbüro von WMIA Incorporated. Sie gehören zusammen, sind jedoch zeitlich versetzt.

Die eine Begegnung ist die des Dr. Nemo mit seinem Beraterstab und die andere ist die mit seiner Frau Fortunata …

Beide Begegnungen sind sprachlich nicht einfach oder vielleicht sogar gar nicht zu erfassen. Die eine, die mit den Beratern macht eher sprachlos und die andere, die mit Fortunata, berücksichtigt nicht mehr die Grenzen der Sprache auch nicht die des herkömmlichen Denkens, das hilflos vor der ewig anmutenden Lebendigkeit dieser Welt, deren Leugner sich hinter dem Modewort „Komplexität“ verstecken, steht, sie zu verstehen sucht und etwas ausblendet … aber wir wollen nicht vorgreifen…

Eine Übersetzung der verschiedenen Sprachen, die in diesem Interview verwendet werden, in eine Eindeutigkeit, die dem Hörer das Denken erspart, wird nicht mitgeliefert … sie ist auch nicht nötig … der Text, um den es geht, steht zwischen den Zeilen oder ist in den Pausen zwischen den Worten, in deren Hintergrund zu erspüren … der Interviewer hat dies nur aufgezeichnet … und doch ist da eine Message to whom it may concern …  fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker und für etwaige Nebenwirkungen nach der Lektüre … WMIA Incorporated, das größte Unternehmen der Welt übernimmt hierfür wie immer keine Verantwortung … und beim Callcenter sind Sie sicher in der Warteschleife …

Begegnung Nummer Eins:

Weißes Licht, Flipchart, Flaschen verschiedenen bunten Inhalts vor und auf den Tischen, Klimaanlage, neueste Smartphones und Nadelstreifen.

Die Frage, um die es in der Sitzung geht, spielt eigentlich, wäre man etwas frech, wie immer keine Rolle. Die Berater referieren ihre Benchmarks und die sogenannte Erfahrung. Die Struktur der Vorträge ist immer gleich .

Nemo lehnt sich zurück.

Nemo: „Interessant, was Sie sagen. Was sind denn nun die Unterschiede Ihrer Sichtweisen?“

Das ist natürlich eine Steilvorlage für die Profilierung der Herren und zweier Damen.

Berater 1: „Wir wissen….

Berater 2: „Nein, wir kennen…“

Berater 3: „Aber wir…“

Nemo wirft den Gedanken seiner Gattin Fortunata in die grauschläfige Runde. Verkürzt lautet er: „Was wäre, wenn es kein „Aber“ gäbe, was wäre, wenn es nicht um Sie persönlich ginge, sondern um ein Ganzes ohne Profilierung.“

Die Runde ging mit dieser Hausaufgabe auseinander. In den Gesichtern der Berater stand eine gewisse Ratlosigkeit, fast so als hätte die Bemerkung Dr. Nemos die Mannschaft in die Nähe einer intellektuellen Nah-Tod-Erfahrung gebracht.

Begegnung Nummer zwei:

Grauer Novembernebel. Ein Park auf der Insel Marettimo, Fortunatas Zuhause. Dr. Nemo sitzt schweigend auf einer Bank vor der weißen Villa. Die hohe, schwere hölzerne Eingangstür ist nur angelehnt.

Fortunata: „Nemo, wer bist Du?“

Nemo: „Frag mich mal was Leichteres, da gäbe es viel zu sagen …“

Fortunata: „Ich weiß und ich meine nicht das Palaver, die schönen Worte, mit denen Du Dich jetzt gleich beschreiben könntest, ich meine etwas anderes. Du hast mehr als nur Worte.“

Nemo schaut ins Leere des Novembermorgens. Fortunata berührt seine Hand.

Mit einem Male hören sie im Hintergrund Musik. Durch den Spalt der großen Tür der Villa fällt Licht. Am Klavier sitzt ein alter Bekannter, der Clown, er spielt John Lennons ‚Imagine‘.

Fortunata: “Ti ricordi questo bellissimo mondo?“

Nemo: „Ja, ich erinnere mich.“

Dann summt er die Melodie mit und ihm fällt ein vergessener Text ein.

Imagine all the people
Sharing all the world…

You may say I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will live as one

Fortunata und Nemo gehen ins Haus.

Elvira steht am Klavier… und würde man Coco Chanel mit ihren Worten „Lebenskunst ist die Kunst des richtigen Weglassens. Das fängt beim Reden an und endet beim Dekolleté …“ zitieren, so träfe das in diesem Augenblick auf Elvira zu.

In ihrem Dekolleté schimmert ein rosa Diamant und als eine Träne auf ihn fiel, leuchtet er aus einer Tiefe, die lange zögert bis sie sich erschliessen lässt.

Nemo muss wie immer zum nächsten Termin. Fortunata umarmt ihn und flüstert ihm etwas ins Ohr.

Was sie sagte und wie es mit Dr. Nemo und der WMIA Incorporated weitergeht, erfahren wir nächsten Dienstag …


 

Das Interview von und mit Kurt August Hermann Steffenhagen hier ebenfalls als Podcast.

Autor: Kurt August Hermann Steffenhagen

Über Kurt August Hermann Steffenhagen 80 Artikel
Der Autor Kurt August Hermann Steffenhagen entlarvt mit unglaublicher Energie, Geistesschärfe und ohne Blatt vor dem Mund veraltete Methoden, Ansichten und Vereinfachungen. Er war über 25 Jahre Berater und Coach im internationalen TopManagement. Sein Thema ist der Paradigmen-wechsel im Denken des Managements. Sein Buch zu diesem Thema mit dem Titel „Management by Farce: Der feine Unterschied zwischen Führung und Eierkochen“ erschien kürzlich im BusinessVillage Verlag.
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Kurt August Hermann Steffenhagen


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Jurist, M&A Coach und Autor

 

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