Episode 20: Ein Anfang mit neuen Ansätzen

Frank Weissenegger fühlt sich unwillkürlich an seine Zeit bei GE Intelligent Systems erinnert. Vor ein paar Jahren befand sich das Unternehmen an diesem Standort in einer Umbruchphase. Welch eine enorme Herausforderung für alle Mitarbeiter, die zunächst verunsichert den Neuerungen gegenüber standen. Aber er erinnert sich auch nur zu gut, wie sehr diese Unternehmenssimulation (siehe Episode 19 ) mit seinem Praxisbezug den Einstieg in weit reichende Veränderungsprozesse erleichterte; war er doch selbst Teilnehmer an dieser zweitägigen Inhouse-Veranstaltung gewesen.

Sein damaliger Kollege Michael war auf diesen Ansatz im Rahmen der umfangreichen Qualifizierungsmaßnahmen für die Mitarbeiter der GE IS gestoßen und hatte die Fabrik im Seminarraum (FiS) trotz vieler Widerstände zu Beginn eingeführt.
Ein Telefonat mit seinem ehemaligen Kollegen bestärkte daher Weissenegger in dem Entschluss, auch bei der Krauss GmbH & Co. KG diese Unternehmenssimulation zu nutzen. Zumal er von Michael erfahren hatte, dass dieser Anbieter darüber hinaus das Unternehmen noch immer im Rahmen von Lean – Projekten begleitet.
Dies erleichterte Weissenegger eine umgehende Kontaktaufnahme mit dem Unternehmen. Und nach ersten, intensiven Gesprächen konnte zügig ein persönliches Gespräch hier bei der Krauss GmbH & Co. KG vereinbart werden.

Weissenegger schilderte dabei ausführlich die Unternehmenssituation der Krauss GmbH & Co. KG, die eine Änderung der Unternehmenskultur unabdingbar machte. Auch die ersten, bereits eingeleiteten Maßnahmen. Er berichtete aber auch von den Schwierigkeiten, die bei der Umsetzung dieser bereits entstanden sind, da – so Weisseneggers Eindruck – ab der
2. Führungsebene kaum Methodenwissen bei den Mitarbeitern vorhanden ist. Zumal sich die  Mitarbeiterqualifizierungen in den zurückliegenden Jahren hier im Unternehmen auf Neuerungen im EDV – Bereich beschränkten.

Dennoch galt es nun für Weissenegger abzuwägen, welche Schwerpunkte er für den 2. Tag der Fabrik im Seminarraum wählen sollte. Wäre eine vertiefende Vermittlung von Methoden des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KVP) für die Mitarbeiter zunächst hilfreicher? Oder sollte er den weiteren Schritt wagen, um neben der Methodenvermittlung auch einen weiteren Schwerpunkt auf den Bereich der sozialen Prozesse zu legen.

Diese Entscheidung zu treffen fiel Weissenegger schwer. Wusste er doch, dass er zunächst die Grundlage für weiterführende Veränderungen schaffen und es den Mitarbeitern ermöglichen musste, eine Veränderungsbereitschaft erst einmal zu entwickeln. Und diese dafür zunächst auf ihrem jeweiligen (Kenntnis-) Stand abgeholt werden und erste Werkzeuge sowie Methoden kennen lernen mussten.


Am heutigen Tag sollten daher die Inhalte für den 2. Tag der Fabrik im Seminarraum nochmals ausführlich besprochen und zusätzlich die Teilnehmer für diese Inhouse – Veranstaltung festgelegt werden. Möchte man doch möglichst alle Abteilungen der Krauss GmbH durch zumindest einen Mitarbeiter hier mit einbeziehen.
Neben den zu vertiefenden KVP-Methoden ist auch die Auswahl der Teilnehmer ziemlich zügig getroffen. Eine Franziska Steiner aus dem Bereich der Auftragsbearbeitung und dazu der Verwaltungsleiter Alexander Moser durften nicht fehlen. Ebenso wenig ein Peter Baumgartner als Einkaufsleiter und dazu ein Lagermitarbeiter. Die AV-Leitung, aber auch der Betriebsrat Jakob Jandl sollten beteiligt sein und nicht zuletzt der Produktionsleiter Franz Großmann (vollständige Teilnehmerliste – siehe Organigramm *)

Nun heißt es für Weissenegger diese Qualifizierungsmaßnahme nochmals mit Ernst und Bernd Krauss abzustimmen. Wohl wissend, dass gerade sein Schwiegervater insgeheim noch immer so seine Probleme mit dem „neumodischen Kram“ hat. Und dazu auch mit der Unterstützung durch externe Berater. Hatte doch Krauss Senior in der Vergangenheit stets alle Probleme selbst oder mit seinen Mitarbeitern zusammen lösen können und war nie auf Hilfe von außen angewiesen. Zumal ein Externer – so seine  Einstellung – das Unternehmen doch gar nicht kennen und damit wirklich helfen kann…

Ernst Krauss bringt dann auch am kommenden Morgen nach Weisseneggers Ausführungen zur Fabrik im Seminarraum seine Zweifel zum Ausdruck. Und diese gerade im Hinblick auf die ausgewählten Teilnehmer. Für ihn eine „bunt zusammen gewürfelte Truppe“ ohne Verbindung zueinander. Und dazu noch ohne Berücksichtigung der jeweiligen Position. Ein Franz Großmann zusammen mit Hannah Pichler in der gleichen Qualifizierungsmaßnahme ist für den Alten nicht wirklich vorstellbar.
Doch Weissenegger erinnert seinen Schwiegervater an das nur kurz zurückliegende Gespräch. Eine Veränderung der Unternehmenskultur und was dies bedeutet. Dass dazu Mitarbeiter benötigt werden, die über den Tellerrand hinausblicken können und wollen.
Und hierzu alle Mitarbeiter von Beginn an einbezogen und für die Veränderungsprozesse sensibilisiert werden müssen, um diese dann auch erfolgreich umsetzen zu können.

Bernd Krauss stimmt diesem vorbehaltlos zu, während Ernst Krauss noch immer ein wenig zweifelnd doch zumindest seine Unterstützung signalisiert. Wird doch in dieser  Unternehmenssimulation tatsächlich ein kompletter Geschäftsprozess vom Eingang der Kundenbestellung bis hin zur Rechnungsstellung seitens des Unternehmens an den Kunden abgebildet. Und dies mit Hilfe eines Produkts, welches eigenhändig gefertigt werden muss. Dies könnte vielleicht auch einem Alexander Moser einmal einen kleinen Einblick in die so notwendigen, täglichen Prozess- und damit auch in die Produktionsabläufe geben…

 

* )

Lean Transformation: Episode 20 – Audioversion


 

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