Episode 22: Die wirklichen Probleme treten zu Tage

Der zweite Tag der Fabrik im Seminarraum (FiS) beginnt wie der erste.
Erneut dürfen die Teilnehmer zunächst den Raum nicht betreten, in welchem sie am Tag zuvor voller Emotionen agiert sowie diskutiert haben. Und schließlich ernüchtert feststellen mussten, wie nahe dieses „Spiel“ doch an der Realität war. Die beiden Moderatoren begrüßen die Teilnehmer und fassen den vergangenen Tag nochmals kurz zusammen, bevor alle gemeinsam den Raum betreten.

Auch heute ist der Raum erneut umgestaltet. Finden doch die Teilnehmer einen Stuhlkreis und jeweils rechts und links vom Stuhlkreis eine Wäscheleine vor, an welchen Bilder aufgehängt sind.

Beim Betrachten der Bilder müssen nicht wenige schmunzeln und sogar Großmann zeigt lachend auf ein Bild, auf dem er abgebildet ist.
Die beiden Moderatoren bitten nun die Teilnehmer sich die Bilder der anderen Wäscheleine anzusehen. Diese Bilder zeigen jeden Teilnehmer in der angespannten Phase, als Großmann seine Mannschaft dirigierte!

Die Moderatoren bitten jeden, sich ein Bild, welches ihn selbst aufzeigt, von der Wäscheleine abzunehmen und im Stuhlkreis Platz zu nehmen. Es ist ruhig im Raum geworden, denn jeder betrachtet nachdenklich sein ausgewähltes Bild.
Einer der Moderatoren bittet den Betriebsrat Jakob Jandl, sein ausgewähltes Bild der Gruppe zu zeigen und mitzuteilen, ob er sich an diese Situation erinnern könne und wie es ihm in dieser Situation ergangen sei. Jandl beschreibt vorsichtig und ohne direkt einen Namen zu nennen, dass er glaubt, dass das Ergebnis der zweiten Simulationsrunde hätte besser sein können, wenn mehr im Team gearbeitet worden wäre.

Als Franziska Steiner an der Reihe ist, bringt sie es auf den Punkt und sagt: „Herr Großmann, Sie haben nicht eine einzige Idee von uns zugelassen. Jeden Vorschlag von uns haben Sie schlecht geredet und haben das getan, was Sie wollten – wie immer!“
Wutschnaubend und beleidigt versucht Großmann sich zu rechtfertigen. Aber als er in die verschiedenen Gesichter blickt, begreift er, dass die Mehrheit der Teilnehmer dies ebenso sieht wie Franziska Steiner.


Nach der Kaffeepause zeigen die Moderatoren anhand der 7 Verschwendungsarten mögliche Verbesserungspotentiale für das von den Teilnehmern gestaltetet System vom Nachmittag des ersten Tages auf. Auch auf die so genannte Methode 5A gehen die Moderatoren ein und zeigen anhand von Bildmaterial des 1. Tages Verbesserungsmöglichkeiten auf.
Und nach der Erklärung, wie Problemursachen und ihre Abhängigkeiten mit Hilfe eines Ishikawa-Diagramms identifiziert werden können, bilden sich zwei Gruppen.
Eine Gruppe soll die Ursachen für die Überproduktion identifizieren, die zweite Gruppe soll die Ursachen für die noch immer mangelhafte Liefertreue identifizieren.

Großmann versucht erneut in seiner Gruppe zu diktieren, doch heute fasst sich Alois Mayrhofer ein Herz und erinnert Großmann an das zuvor Gesagte: „Herr Großmann, nun lassen Sie uns doch mal unsere Ideen und unsere Meinung sagen! Ich glaube, vielen von uns ist doch gestern und auch heute bewusst geworden, dass uns nur eine erfolgreiche Teamarbeit weiter helfen kann!“
Kaum hatte Mayrhofer diese Worte ausgesprochen, wird es im Raum so still, dass man die sprichwörtliche Stecknadel hätte fallen hören können. Auch die Mitglieder der anderen Gruppe blicken gespannt auf Großmann und auf seine Reaktion, haben sie doch Alois Mayrhofer immer als loyal zu Großmann erlebt. Aber Großmann selbst scheint heute keine Worte zu finden und zieht sich in eine Ecke des Raumes zurück.

Nachdem die jeweiligen Gruppen ihr erarbeitetes Ishikawa-Diagramm präsentiert haben, werden sie aufgefordert, ein drittes System zu kreieren. Und dabei nun darauf zu achten, dass die Vorgaben 100% Liefertreue sowie 100% Lieferquote erreicht, aber auch gleichzeitig die Einnahmenseite deutlich verbessert wird.

Alle machen sich nun daran, die erarbeitenden Ideen umzusetzen. Auch Ideen vom ersten Tag, welche Großmann niederschmetterte, kommen nochmals zur Diskussion.
In informellen Gruppen kümmern sich einige um die Arbeitsplatzgestaltung, andere optimieren nochmals den Materialfluss. Hier meldet sich auch Hannah Pichler heute zu Wort, hatte sie doch bereits am ersten Tag strukturierte Abläufe zur Verkürzung und Beschleunigung der Materialflüsse entwickelt. Eine weitere Gruppe erarbeitet dazu neue Belege, um den Informationsfluss zu optimieren.

Als die Moderatoren die Kennzahlen für die dritte Simulationsrunde in die Tabelle eintragen, wird klar, dass die Vorgaben erfüllt sind. Allen ist der Stolz über die „eigene“ Leistung anzumerken. Nur Großmann, welcher sich schon seit geraumer Zeit nicht mehr beteiligt, nimmt das Ergebnis lediglich zu Kenntnis.

Nach der Mittagspause erwartet die Teilnehmer eine „neue“ Aufgabe.
Die Moderatoren bitten die Teilnehmer, drei Gruppen zu bilden und mit der Kenntnis über die Methoden der 7 Verschwendungsarten in selbstgewählten Bereichen im Unternehmen diese Methode anzuwenden.
Um 15:00 Uhr präsentieren die jeweiligen Gruppen – wie vereinbart –  in Form einer Fotodokumentation ihre „Ergebnisse“ und jetzt wird allen bewusst, wie groß das Verbesserungspotential bei der Krauss GmbH & Co. KG ist.

In der abschließenden Feedbackrunde bringt es dann auch Alois Mayrhofer auf den Punkt: „Wir haben bisher viel zu sehr in Funktionen gedacht und gehandelt. Es ist an der Zeit, in Prozessen zu denken und wir müssen uns an den Kundenbedürfnissen orientieren. Alles andere macht keinen Sinn. Wenn wir so wie bisher weitermachen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir dicht machen können!“

Großmann, welcher sich schon seit geraumer Zeit nicht mehr beteiligte und dazu wortlos die Feedbackrunde verstreichen ließ, verlässt geradezu beleidigt den Raum mit den Worten: „… das einzige, was ich an Verschwendung in diesen beiden Tagen kennen gelernt habe, ist die Tatsache, dass meine  Arbeit in den letzten beiden Tagen liegen geblieben ist!“  …

Lean Transformation: Episode 22 – Audioversion


 

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