Episode 26: Ein zweiter Pflock wird eingeschlagen

Die verschiedenen Reaktionen auf die Vereinbarung des Projektplans zeigen Frank Weissenegger, dass die Themen der Führung, der Kommunikation und der Art, wie man miteinander umgeht, nun dringlichst angegangen werden müssen.
Mit den Instrumenten zur Geschäftsprozessverbesserung und der neuen Meetingorganisation ist man zwar ein gutes Stück vorangekommen. Jedoch ist das unterschiedliche oder sogar unklare Verständnis, in welchem „Geist“ man diese Maßnahmen nun weiter verfolgt und was dabei eigentlich „Führung“ heißt, für Weissenegger nur allzu deutlich geworden:

  • Bernd Krauss hat noch immer Probleme mit seiner Rolle als Führungskraft. Stellt er damit auch seine Autorität als Geschäftsführer in Frage?
  • Mitarbeiter mit neuen Ideen haben Bedenken, dass diese in der Hierarchie ohne Gefahr vorgetragen werden können. Inwieweit finden Innovationen und Kreativität Raum und landen nicht einfach nur im Papierkorb?
  • Im Zuge der laufenden Projektarbeit bekommt Weissenegger nicht alle Arbeitsergebnisse von den Projektleitern zum vereinbarten Termin und in der erforderlichen Qualität. Wie soll man als Führungskraft darauf reagieren und wie erreicht man bessere Arbeitsergebnisse?
  • Die neuen Meetings erfordern es, klar, sachlich und schnell auf den Punkt zu kommen, ohne lange um den „heißen Brei“ herum zu reden, weil dabei eventuell Defizite an anderer Stelle angesprochen werden. Wie soll da mit Kritik umgegangen werden?
  • Die Ablehnung des Projektes durch Franz Großmann droht zu einem Bremsklotz für den gesamten Verbesserungsprozess zu werden. Wie soll man als Geschäftsführung damit umgehen?

Frank Weissenegger hat aufgrund seiner Erfahrungen erwartet, dass Probleme dieser Art auftauchen. In einem weiteren Gespräch mit Ernst und Bernd Krauss macht er deutlich, dass man zwar jetzt nicht alle Punkte lösen könne. Aber es für den weiteren Fortgang zwingend notwendig ist, dass die Geschäftsführung umgehend ein eindeutiges Signal gibt, in welcher Art und Weise man sich die Zusammenarbeit miteinander und die Kommunikation sowie das Führungsverhalten bei der Krauss GmbH & Co. KG wünscht. Dies im Rahmen einer Kick-Off-Veranstaltung für alle Projektbeteiligten, in welcher die genannten Aspekte als Ziele formuliert vorgestellt werden. Damit diese die gleiche Geltung bekommen, wie die Sachaufgaben, die jeder zu erfüllen hat.
„Wir merken es doch bei der Umsetzung unseres Projektplans. Wir brauchen einen möglichst sachgerechten Umgang, um die einzelnen Schritte zügig abzuarbeiten. Dazu brauchen wir eine offene produktive Kommunikation und das wiederum setzt eine innere positive Grundhaltung zu jedem Kollegen voraus. Das macht uns nicht nur effektiver und sondern spart auch Nerven“, fügt Frank Weissenegger hinzu.

Etwas ratlos schauen Ernst und auch Bernd Krauss Frank Weissenegger an. Zwar haben beide – und dabei jeder auf seine Art – erkannt, dass man zu diesem Thema Stellung beziehen muss. Bleibt aber dennoch die Frage: Wie?

„Nun, so schwierig ist das doch gar nicht. Es gilt doch nur die Überlegungen der jüngeren Vergangenheit aufzugreifen und in eine gute Form bzw. Vortragskonzept zu bringen. Denn die Erkenntnisse sind doch bei Euch schon ein ganzes Stück gereift“, hilft Weissenegger weiter.
Und für den Aufbau des Vortragskonzeptes schlägt Weissenegger folgendes vor:
Zunächst sollte eine Standortbestimmung der Krauss GmbH & Co. KG vorgenommen werden. Darin sollte deutlich und damit auch anerkannt werden, welche guten Leistungen die Mitarbeiter über viele Jahre bisher schon erbracht haben. Denn die Mitarbeiter konnten zu Recht auf das Unternehmen und ihre eigene Leistung stolz sein. Es war ja letztendlich nicht alles schlecht, was in der Vergangenheit gemacht wurde. Würde doch die Firma sonst nicht dastehen, wo sie heute ist.
Dennoch sollte auch mit Hinblick auf das laufende Projekt deutlich gemacht werden, dass bestimmte Denk- und Verhaltensweisen nicht mehr zu den neuen Herausforderungen passen und damit der Vergangenheit angehören müssen. Zudem sollte die neue und angestrebte „Kultur“ schon mal umrissen werden, wozu vor allem zählen:

  • eine offene und direkte Kommunikation anstelle des „Hinter-dem-Rücken-Reden“
  • die Verpflichtung zu Entscheidungen anhand von Zahlen, Daten und Fakten, anstelle der Zugehörigkeit zu einer Hierarchiestufe
  • ein respektvoller Umgang zwischen allen Mitarbeitern und Führungskräften, anstelle der persönlichen Aburteilung bei Fehlern
  • ein kompetenter Umgang mit Kritik, anstelle der Suche nach Schuldigen
  • eine klare Festlegung und Wahrnehmung von Verantwortlichkeiten, anstelle des Weiterschiebens unangenehmer Aufgaben

Mit noch gemischten Gefühlen sehen Ernst und Bernd Krauss jedoch ein, dass eine wesentliche Aufgabe der Unternehmensführung darin besteht, diese Unternehmenswerte zu vertreten und auch zu verkörpern, nicht zuletzt zur Verbesserung ihrer eigenen Arbeits- und Lebensqualität wegen.


Obwohl Bernd Krauss das Konzept zur Präsentation mit Frank Weisseneggers Unterstützung detailliert vorbereitet hat, verspürt er dennoch ein gewisses Lampenfieber, als er den Konferenzraum für die Kick-Off-Veranstaltung betritt. Ist es doch eine weitere neue Herausforderung für ihn, auf dieser Ebene mit seiner Mannschaft zu sprechen. Wie wird das ankommen?
Aber Bernd Krauss erlebt erneut (siehe Episode 8) eine positive Überraschung: Während Franz Grossmann merkt, dass vor allem er mit den kritischen Bemerkungen angesprochen ist und daher beinahe schon demonstrativ sein Desinteresse an diesem Thema zeigt, springen doch die meisten Mitarbeiter auf den neuen Zug auf. Auch heute ist nach der einstündigen Präsentation eine große Erleichterung zu spüren. Erleichterung darüber, dass jetzt von der Geschäftsführung der neue Kurs ausgesprochen und damit auch gewollt ist. Und somit Raum geschaffen wird, in dem sich Ideen und Engagement entwickeln können.

„Endlich ist es auch von „ganz oben“ gesagt“, ist danach auch Hannah Pichlers erste Bemerkung zu Franziska Steiner…

Lean Transformation: Episode 26 – Audioversion


 

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