Episode 38: Es gibt keinen falschen Zeitpunkt, genau das Richtige zu tun.

In der kommenden Stunde würden Frank Weissenegger und Bernd Krauss wieder aus Rumänien und damit vom Unternehmensbesuch der RomChim zurück sein. Unruhig läuft Ernst Krauss in seinem Büro auf und ab. Was wohl sein Sohn und Frank dort erreicht haben mögen?
Seine Gedanken wandern unwillkürlich zu Franz Großmann. Hatten Sie doch häufig gemeinsam den Verantwortlichen der RomChim einen Besuch abgestattet und so auf kurzem Wege die geschäftlichen Belange geregelt. Dieser Unternehmensbesuch – ohne Beteiligung von ihm oder Franz Großmann – jedoch zeigte, dass es so etwas künftig nicht mehr geben würde. Und dazu die Kündigung von Franz Großmann, welche Franz persönlich bei ihm eingereicht hatte.

Bei alledem, damit hatte der Alte nicht gerechnet. Dass seine rechte Hand einmal von sich aus der Krauss GmbH & Co. KG den Rücken kehren würde, nach mehr als 35 Jahren in seinem Unternehmen. Dazu noch diese abrupte Art und Weise, wie Franz Großmann seinen Ausstieg gestaltete. Eine weitere Überraschung für den Alten.
Denn selbst im Gespräch in der Dorfschänke mit Franz konnte er diesen nicht von seinem Vorhaben abbringen und damit umstimmen. Und er hatte darüber hinaus den Eindruck gewonnen, dass Franz IHN für seine eigene Kündigung gewissermaßen verantwortlich macht.
Da er, Ernst, selbst doch die Veränderungen in seinem Unternehmen vorbereitet hat, indem er einem Frank Weissenegger die Tür öffnete. Und zudem Weissenegger in seiner Vorgehensweise uneingeschränkt unterstützte, wohl sehend, dass aus Bernd, Frank und Franz Großmann kein „Triumvirat“ auf Dauer werden würde.

Das Telefonklingeln holt den Alten aus diesen Gedanken. Und dazu der Hinweis von Bernds Sekretärin, dass sich sein Sohn sowie sein Schwiegersohn bereits im kleinen Besprechungszimmer eingefunden haben und ihn erwarten.
Franks sowie Bernds Ausführungen beruhigen dann auch Krauss Senior zumindest ein wenig.
Dass trotz der zunächst nicht zu bedienenden Bedarfe der RomChim das Unternehmen auch weiterhin Kunde der Krauss GmbH & Co. KG bleiben würde. Da doch die Veränderungen, welche hier im Unternehmen, um nicht zuletzt die Kundenwünsche bedienen zu können, von Constantin Roibu aber auch seitens der Produktionsleitung insgesamt positiv aufgenommen wurden. Eine Zusage in Bezug auf einen Liefervertrag jedoch noch aussteht, da das Angebot zunächst intern geprüft werden müsse.
Die Verantwortlichen der RomChim die Vertragsunterzeichnung auch von den Eindrücken hier vor Ort im kommenden Januar abhängig machen. Dazu jedoch Bernds Einladung zu einem Gegenbesuch bereits angenommen haben.

Ein Teilerfolg zwar, dennoch lässt Ernst Krauss das Gefühl nicht los, dass er vielleicht besser selbst hätte hinreisen sollen. Doch was hätte er – oder ein Franz Großmann – dort anderes erreichen können…
Ein wenig Abstand hier und jetzt würde ihm gut tun. Ein ausgedehnter Spaziergang mit seiner Hündin Milly, um sich ein wenig sammeln zu können. Zumal man sich in einer Stunde – wie jeden letzten Freitag eines Monats –  „Beim Kramerwirt“ nochmals zusammensetzen würde (siehe Episode 32 ).
Und heute würde auch erstmals sein Sohn Bernd, der sich in den vergangenen Monaten doch sehr zurückgezogen hatte, dabei sein, was ihn besonders freut. Wenn auch das kommende Gespräch ihm schwer im Magen liegt.

Trotz des ausgiebigen Rundgangs kann Ernst zum ersten Mal seit langer Zeit seinen steirischen Rostbraten nicht wirklich genießen.
An dem Gespräch, welches sich zunächst um Einzelheiten des Liefervertrages mit der RomChim dreht, beteiligt sich Ernst dann auch nur unwesentlich. Als die Rede jedoch auf die Produktionsleitung in den Unternehmen kommt, kann Ernst sich nicht länger zurückhalten. Und teilt mit, dass man sich mit dieser auch gerade bei der Krauss GmbH & Co. KG wohl noch mehr als bisher zu beschäftigen habe, da Franz Großmann seine Kündigung ausgesprochen hat.
Die eintretende Stille und Bernds fassungsloser Gesichtsausdruck zeigen Ernst, dass auch sein Sohn dies nicht hatte kommen sehen. Zumindest nicht in dieser Endgültigkeit. Waren doch derartige Worte auch schon zu früheren Zeiten gefallen und am nächsten Tag – nach eben einem solchen Gewitter – wieder vergessen gewesen. Doch Krauss Senior macht deutlich, dass es Franz Großmann dieses Mal in der Tat ernst meint. Zumal er bereits einen Termin zur Übergabe seiner Arbeit an Frank Weissenegger und zur Räumung seines Arbeitsplatzes in einem nachfolgenden Gespräch für die kommende Woche vorgeschlagen hatte.
Doch sollte – so Ernst‘ Überzeugung – jetzt zunächst die Belegschaft über Großmanns Kündigung offiziell informiert werden, um hier den Mutmaßungen und Gerüchten ein Ende zu bereiten.
Und dies seitens der Geschäftsführung. Ernst sieht zunächst Bernd und dann Frank eindringlich an. Ein sich anschließender, kurzer Blickwechsel der beiden untereinander lässt erkennen, dass diese wohl schon erahnen können, was Krauss Senior ihnen damit sagen möchte.

Und seine einleitenden Worte kommen dann auch wenig überraschend für Bernd und Frank: Dass er, Ernst, zunächst Franz Großmanns Wunsch akzeptiert hat und somit auch nach wie vor zu den Veränderungen in der Krauss GmbH & Co. KG steht. Diese auch weiterhin unterstützen wird, wenn auch in einem geringeren, aktiven Maße als bisher. Da auch für ihn die Zeit gekommen ist, sich aus der operativen Geschäftsführung nun endgültig zurückzuziehen. Er gerne weiterhin mit seinem Rat zur Verfügung stehe, jedoch die Verabschiedung von Franz Großmann in der kommenden Woche sein letzter, offizieller Auftritt werden wird.
„Ich lege die Zukunft meines Unternehmens in eure Hände“, lauten dann auch die abschließenden Worte von Ernst Krauss.

Wohl wissend, dass damit eine Ära endgültig zu Ende geht…

Lean Transformation: Episode 38 – Audioversion


 

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