Episode 46: Chancen multiplizieren sich, wenn man sie ergreift.

Die positiven Fortschritte im Projekt bezüglich der fehlerhaften Pumpengehäuse bestärken Frank Weissenegger in seiner Vorgehensweise. Hatte er doch Max Gruber als Projektleiter eingesetzt in dem Vertrauen, dass dieser der Aufgabe auch fachlich gewachsen sein würde. Selbstverantwortlich hatte Gruber dann auch umgehend die Initiative ergriffen, wie die bisherigen Ergebnisse zeigen. Und war so endgültig aus dem Schatten von einem Franz Großmann herausgetreten.

Er selbst hatte Grubers in einem kurzen Vieraugengespräch nach dem vergangenen Projektmeeting darin bestärkt und ihm seine Unterstützung – wenn nötig – signalisiert. Zumal auch er beim Gesprächstermin mit dem Lieferanten der Antriebsmotoren anwesend sein würde.

Max Gruber beginnt – so bestätigt – dann auch umgehend mit der Vorbereitung des Lieferantenbesuchs. Zunächst trifft er sich mit Hannah Pichler von der Qualitätssicherung,
um die Reklamationen bzgl. der Elektromotoren im Detail durchzugehen.
Auf Grundlage der ersten übergreifenden Auswertung (siehe Episode 41 ) wollen sie versuchen, noch mehr Informationen zu sammeln. Möchten sie doch ihrem Lieferanten möglichst genaue Hinweise geben, um das Problem schnellstmöglich gelöst zu bekommen. Wirklich weiter kommen sie jedoch nicht, da in den Reklamations-protokollen immer nur auf die Undichtigkeit der Pumpe hingewiesen wird.
Was für beide sogar nachvollziehbar ist, denn weswegen sollte ihr Kunde dazu auch selbst eine Ursachenanalyse vornehmen?
Aber sie können auch keinen Zusammenhang zwischen bestimmten Lieferungen der Elektromotoren und auftretenden Undichtigkeiten feststellen. Es sieht ganz nach einem zufälligen, aber leider recht häufigen Fehler aus.

Da die reklamierten Pumpen nicht repariert, sondern zurückgenommen und ausgetauscht werden, will Max Gruber einen seiner Mitarbeiter beauftragen, von drei fehlerhaften Pumpen den Elektromotor auszubauen. Vielleicht können sie ja doch Unterschiede zu noch nicht verbauten Motoren erkennen. Unwuchten können sie an diesen Motoren jedoch nicht feststellen. Auch die Nachvermessung der Grundplatten, die die Krauss GmbH & Co. KG selbst fertigt, zeigt keine Unterschiede. So muss die Ursache woanders zu suchen sein. Nur, wo? Mit ihrem ‚Latein am Ende‘ bleibt ihnen daher lediglich die Hoffnung auf ein konstruktives und klärendes Gespräch mit ihrem Lieferanten.

 

Vor dem Gespräch führen Max Gruber, Hannah Pichler und Frank Weissenegger ihre Besucher (je ein Mitarbeiter vom Vertrieb, der QS und der Produktionsleiter) durch die Fertigung. Sie sollen sich selbst ein Bild davon machen, dass bei der Krauss GmbH & Co. KG sauber und präzise gearbeitet wird. Der Vertriebler, der die Fertigung noch von vor drei Jahren kennt, ist von dem heutigen Zustand völlig überrascht. Hatte er doch insgeheim gehofft, mögliche Fehlerquellen der Pumpenmontage und so der Krauss GmbH & Co. KG zuschreiben zu können. Nun, das konnte er wohl vergessen.

Im kleinen Konferenzzimmer angekommen präsentiert Max Gruber im Anschluss seinen Besuchern dann die selbst erarbeiteten Erkenntnisse. Die Mitarbeiter des Lieferanten aus QS und Fertigung erkennen schnell, dass an den ihnen präsentierten Ergebnissen nicht zu zweifeln ist. Zumal sie doch beeindruckt sind, dass hier ganz klar mit ZDF (Zahlen, Daten, Fakten) argumentiert und nicht wie früher mehr oder weniger ergebnislos hin und her diskutiert wird.

Während sich der QS-Beauftragte und der Vertriebler nun doch ein wenig ratlos nochmals die Ergebnisse betrachten, geht der Produktionsleiter für sich den Fertigungsprozess des speziellen Motorentyps im Einzelnen durch.
Und ihm kommt ein Gedanke: Immer dann, wenn noch ein anderer Typ parallel zu den von der Krauss GmbH benötigten Motoren gefertigt werden muss, wird zusätzlich zur Bohrung der Befestigungslöcher im Fuß des Motors ein nur noch selten verwendetes Bohrwerk eingesetzt.
Käme es bei diesen Bohrungen zu leichten Abweichungen, könnte dies zu einem geringen Versatz des Motors gegenüber dem Pumpengehäuse führen. Motor- und Pumpenwelle würden so nicht mehr auf einer Achse laufen…

Umgehend bittet er seine Kollegen zu einem kurzen Dreiergespräch, in welchem er ihnen kurz seine Annahme umreißt.
Der QS-Beauftragte versteht sofort, dass dadurch tatsächlich bei ihnen unbemerkt ein Fehler entstanden sein könnte.
Zumal er sich auch bewusst ist, dass im Prüfplan der Qualitätssicherung die Verwendung eines zweiten und damit anderen Bohrwerks nicht aufgeführt ist.
Und darüber hinaus lediglich stichprobenartig einzelne Motoren nur auf bestimmte Merkmale hin untersucht werden, wobei die Position der Bohrungen jedoch nicht  dazu gehört.

Ein wenig überrascht sind zumindest Hannah Pichler und Max Gruber, als der Produktionsleiter diese Thematik im weiteren Gesprächsverlauf anspricht. Hatten sie doch gerade von Franz Großmann immer hören müssen, wie schwierig dieser Lieferant und speziell der hier anwesende Produktionsleiter ist. Doch die Offenheit und Sachlichkeit auch eines Frank Weisseneggers im Umgang mit dieser Problematik hat wohl auch diesen überzeugt, dass man hier gemeinsam das Problem lösen wollte.

So kann sich Frank Weissenegger dann auch zügig mit den Unternehmensvertretern des Lieferanten einigen, dass dieser Fertigungsschritt beim Lieferanten schnellstmöglich überprüft wird. Und darüber hinaus eine ausgedehntere Qualitätsprüfung eingeführt wird, bis die Ursachen erkannt sind. Zwei der fehlerhaften Motoren werden sie mitnehmen, um unmittelbar einen Vergleich zur laufenden Fertigung vornehmen und so kurzfristig über die Ergebnisse der Untersuchung der beiden Motoren informieren zu können.

Während sich die Herren voneinander verabschieden, stellt sich bei Max Gruber eine gewisse Erleichterung ein. Denn die Gesprächsergebnisse können sich sehen lassen und nichts war schief gelaufen. Und dies tatsächlich ohne ein Eingreifen seines (heimlichen) Jokers Weissenegger…

Lean Transformation: Episode 46 – Audioversion


 

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