Episode 51: Es ist nicht genug zu wissen – man muss auch anwenden.

1. Betriebsversammlung, Teil 2

Bernd Krauss lässt nochmals kurz den Blick über die zahlreichen Mitarbeiter schweifen. Hatte doch sein Vater Ernst Krauss die erste Betriebsversammlung dieser Art eröffnet und darüber hinaus bereits sein Schwager Frank Weissenegger ergänzende, interne Maßnahmen auch zur Umsetzung der neuen SCM-Struktur erläutert. Aber nun würde es an ihm sein, den Mitarbeitern auch weitere Details und Ergebnisse im Zusammenhang mit dem Aufbau der SCM-Struktur und damit in seinen Verantwortungsbereich zu geben. Mit diesen Gedanken ergreift Bernd das Wort:

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
auch ich freue mich, dass wir sie heute zu unserer ersten Betriebsversammlung im neuen Jahr begrüßen können. Diese Betriebsversammlung ist für uns alle etwas Besonderes bzw. etwas Neues:
In der Krauss GmbH haben wir praktisch noch nie über unsere laufenden Projekte berichtet. Wie wir Anfang des Jahres schon angekündigt hatten, wollen wir Sie alle regelmäßig einmal im Quartal über den Stand unserer diversen Aktivitäten zur Stärkung unserer Firma informieren. Auch wenn viele von Ihnen nicht unmittelbar in den Projekten mitarbeiten, sollen Sie sich doch auch aufgerufen fühlen, Ihre Meinung kundzutun oder auch Bedenken zu äußern. Den Projektteams und der Geschäftsleitung ist es sehr wichtig, Sie alle zu erreichen. Und wenn dem einen oder anderen – ich sag mal – der Mut fehlt, hier zu sprechen, so kann er sich jeder Zeit an seinen Vorgesetzten oder an unseren Betriebsrat Jakob Jandl wenden, um seine Meinung zu äußern. Diese wird uns dann anonym weitergegeben.

Doch ich möchte hier heute nicht nur so allgemeine Dinge kundtun. Denn wir haben in den letzten zwei Monaten schon einige Fortschritte im Aufbau unserer Supply Chain Organisation gemacht, wie auch Frank Weissenegger eben dargestellt hat. Auch mir ist sehr wohl klar, dass dies immer noch ein ganz zartes Pflänzchen ist, das wir alle noch pflegen und gießen müssen, damit es mal ein richtiger Baum wird.

Neben unseren internen Aktivitäten konnten wir auch eine erste vertiefte Zusammenarbeit mit unserem Kunden RomChim in Rumänien anschieben. Der eine oder andere von Ihnen erinnert sich sicherlich noch, dass wir RomChim als Kunden beinahe verloren hatten. Denn im Frühjahr letzten Jahres hatte RomChim recht kurzfristig erhöhte Stückzahlen eines bestimmten Pumpentyps angefragt. Wir alle waren davon sehr überrascht und nicht in der Lage gewesen, diese zusätzlichen Mengen herzustellen. Nur für uns glückliche Umstände bei RomChim haben dazu geführt, dass wir weiter im Geschäft sind bzw. nun vor kurzem unsere Beziehung auf eine neue gemeinsame Basis stellen konnten. Wir hatten beim letzten Besuch der RomChim hier bei uns im Hause vereinbart, uns regelmäßig zu treffen, um die Entwicklung der zukünftigen Geschäfte gemeinsam abzustimmen und um erkannte Probleme frühzeitig bearbeiten und lösen zu können.
Wir hatten uns dazu entsprechend vorbereitet, um einen Überblick zu unserer Auslastung in der spanenden Fertigung und in der Montage zu bekommen, und zwar für mindestens sechs Monate im Voraus. Das war gar nicht so leicht, weil wir so etwas auch noch nie in einer monatlichen Einteilung gemacht hatten. Doch ich will hier auch mal sagen, dass uns gerade das Know-how von Franziska Steiner gut weitergeholfen hat. Dieses Wissen ist die eine Säule in unserem gemeinsamen Prozess mit RomChim. Die andere kommt von denen und sagt etwas aus zu den erwarteten Mengen, auch immer pro Monat. Sie müssen sich diesen Prozess jetzt so vorstellen wie eine Balkenwaage. Beide Partner legen ihre Bedarfe bzw. Kapazitäten in jeweils eine Waagschale. Gemeinsames Ziele ist es nun, diese Waage auszubalancieren. Dieses Ausbalancieren werden wir jetzt einmal im Monat gemeinsam machen.

So war es nun in der vergangenen Woche soweit: Frank Weissenegger, Peter Baumgartner, Franziska Steiner und ich sind zu unserem ersten Gespräch nach Bukarest gereist. Wir waren sehr gespannt auf das, was uns nun RomChim präsentieren wird. Hatten die sich genauso ‚gut‘, wie wir für uns glaubten, vorbereitet? Ich kann Ihnen sagen, wir waren positiv überrascht! Sie hatten sich sogar noch externe Unterstützung geholt, um möglichst plausible Daten für die nächsten Monate vorzustellen. Hier muss ich nun mal kurz abschweifen, und das habe ich nicht mit meinem Schwager abgestimmt. Wir können schon sehr stolz darauf sein, dass wir bei der Krauss GmbH einen Frank Weissenegger in unseren Reihen haben. Ohne ihn ständen wir heute nicht da, wo wir sind, auch wenn wir gerade erst in Fahrt gekommen sind. Ich verrate Ihnen hier kein Geheimnis wenn ich Ihnen sage, dass auch ich vor einem Jahr viele Bedenken gehabt habe, ob das alles für die Krauss GmbH so richtig ist.

Doch zurück zu unserem Gespräch mit RomChim. Für beide Seiten war es zunächst wirklich nicht leicht, diese Waage in Balance zu bringen. Trotzdem bemühten sich alle Gesprächsteilnehmer sehr, und so haben wir es schließlich geschafft. Wir haben aber auch erkannt, dass wir zwar schon ein kleines Licht am Ende des Tunnels sehen, aber der Weg bis dahin noch viele Herausforderungen und sicherlich auch Überraschungen bereithalten wird. Ich sage es Mal mit Goethe: ‚Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen‘.

Darum möchte ich Sie alle noch einmal einladen, dass wir alle gemeinsam in eine neue Zukunft unserer Firma gehen. Wir können so unser heutiges Geschäft auf eine solide Grundlage stellen und mit wachsenden Bedarfen auch ausbauen. Dadurch sichern wir zum einen die vorhandenen Arbeitsplätze und können zum anderen sicherlich auch neue Mitarbeiter einstellen.

An dieser Stelle möchte ich heute unsere 1. Betriebsversammlung 2013 schließen und mich für Ihre Aufmerksamkeit bedanken. Um Ihnen abschließend noch zu sagen, dass ich positiv in die Zukunft blicke und mich auf die kommende Zeit freue.

Lean Transformation: Episode 51 – Audioversion


 

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