Golfspielen mit Dr. Nemo und seinen Freunden

oder „O tempora, o mores“… Eine ernst gemeinte Persiflage

Heute ist es mal ganz entspannt. Man trifft sich auf dem Golfplatz. Da, wo die Herren und Damen vom Genre eines Dr. Nemo ihre Freunde treffen.
Der Interviewer geht mit Herrn Dr. Nemo vom Klubhaus, wo man noch an einem Gläschen Schampus nippte, zum ersten Abschlag.
‚Kein Bier vor vier‘ gilt meist auch in diesen Kreisen, also ließ man das Glas fast unberührt stehen. Die Geste zählt.

Der Weg zum ersten Abschlag gibt Zeit, ein paar Worte mit Dr. Nemo über das Thema Freunde zu wechseln.

Interviewer: „Wenn Ihnen diese Frage nicht zu persönlich ist, Herr Dr. Nemo, haben Sie Freunde?“

Nemo: „Was meinen Sie mit Freunde?

Gott sei Dank kann Dr. Nemo nicht Gedanken lesen. Der Interviewer dachte nämlich: „Dies alte Schlitzohr! So zerfetzt man Fragen.“

Aber der Interviewer ist hartnäckig.

Interviewer: „Freunde, also Buddys, solche, mit denen man durch dick und dünn geht.“

Nemo: „Nein, habe ich nicht!

Interviewer: „Legen sie darauf keinen Wert?“

Nemo: „Wert legen schon, aber wer ist es denn schon wert?

Bevor diese Unterhaltung sich in den Abgründen der Psychologie verlieren konnte, wurde Dr. Nemo von seinen Golffreunden zum ersten Abschlag gebeten.

Nun, wer sind diese Freunde, mit denen er da spielt?

Aufgelaufen zur Runde, man nennt das ja im Golfjargon „Flight“ sind drei weitere Herrschaften, also keine Frauenquote. Ganz Verbissene hören auch da schon die Glocken läuten.

Die Namen der Herren brauchen nicht genannt zu werden, interessant ist, wer sie gesellschaftlich sind.

Kurzum, es handelt sich um einen Politiker, seines Zeichens ehemaliger Wirtschaftsminister, einen Lobbyisten (auf seine Rechnung geht übrigens die Green Fee und die Bewirtung auf der Golfrunde) und der Vorsitzende der Weltgewerkschaft, WWIA, was die Abkürzung für We Want It All ist.

Dr. Nemo schlägt mit perfektem Schwung und Eisen fünf das weiße unberechenbare Luder, so nennen Golfer den kleinen Ball, ab.

„Kein schlechter Schlag“, dachte der Interviewer.

Den anderen Herrschaften entging dieser schöne Abschlag. Nun ist man in Golferkreisen nicht besonders emotional, eher zurückhaltend, was die Begeisterung für Leistung angeht.

Doch, irgendetwas läuft es hier anders als sonst.

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Der Interviewer bemerkt, dass die drei anderen Golfer jeweils in Begleitung eines Herren sind.

Elvira erscheint am Abschlag, sie fährt den Golfcart.

Interviewer: „Elvira, wer sind die Herren neben den Golffreunden?“

Elvira: „Das sind sogenannte Golfprofis.

Interviewer: „Was machen die hier?“

Elvira: „Die spielen den Golfball für die Herrschaften.

Interviewer: „Warum spielen die nicht selbst?“

Elvira: „Die Herrschaften können gar nicht Golf spielen, deshalb spielen die Pros für sie.

Interviewer: „Na ja, wer kann schon Golfspielen.“

Zur Hintergrundinformation für Nichtgolfer: Der uralte aus einem Satz bestehende Golferwitz heißt ja, „Ich kann Golf spielen“. Der Witz dieser Behauptung liegt darin, dass Golf ziemlich komplex und letztlich nicht berechenbar ist, woraus die Schlussfolgerung zu ziehen wäre, dass eigentlich niemand wirklich, wirklich Golf spielen kann… Das macht den Witz aus und vielleicht gilt das ja auch für andere Aspekte des Lebens….

Elvira: „Jeder dieser Herrschaften ist es gewohnt, Berater zu haben. So hält man es auch hier auf dem Golfplatz. Das Spiel ist das Spiel der Berater, in diesem Falle das Spiel der Golfprofis. Wer einen Berater hat, braucht nicht zu denken, wer einen Golfprofi hat, braucht nicht zu spielen.

Interviewer: „Warum hat Dr. Nemo keinen Pro bei sich?“

Elvira: „Dr. Nemo ist liebenswert beratungsresistent, auch beim Golf.

Wie schon bei anderen Gesprächen mit den Eliten entfuhr dem Interviewer an dieser Stelle eine vielseitig zu interpretierende Bemerkung. Sie lautet: „Mmmmh“.

Interviewer: „Können denn die Pros Golf spielen?“

Elvira: „Keine Ahnung. Sie werden danach ausgewählt, welches Ranking sie international in der Profiliga haben. Wird jedes Jahr im Journal „Best Practice in Playing Golf“ veröffentlicht.

Die muntere Golfrunde näherte sich dem neunten Loch, an dem das Spiel für heute beendet sein sollte.

Die Herren waren wieder unter sich, die Berater hatten sich getrollt, der Genuss von geistigen Getränken, denen man jetzt nach vier Uhr zusprach, entspricht nicht ihrer Vorstellung von „smart“.

Der Interviewer geht mit Dr. Nemo zum Klubhaus zurück.

Interviewer: „Um auf das Thema Freunde zurückzukommen. Welche Rolle spielen bei Ihnen Freunde?“

Nemo: „Wir sind alle im gleichen Spiel so wie eine Fußballmannschaft. 11 Freunde sollt ihr sein und ab und zu wird einer ausgewechselt.

Dabei schaut er den Interviewer mit seinen stahlblauen Augen an.

Elvira wartete schon am Klubhaus und begleitete den Interviewer zu seinem Auto.

Interviewer: „Wie halten Sie diese Kälte aus?“

Elvira: „Eigentlich ist es nicht kalt. Es ist eher ein anderes Thema, mit dem alle zu tun haben.

Interviewer: „Worum geht es denn dann bei WMIA Inc.?“

Elvira legt den Arm um den Interviewer.

Darüber reden wir nächsten Dienstag… in diesem Theater.


 

Das Interview von und mit Kurt August Hermann Steffenhagen hier ebenfalls als Podcast.


 

Autor: Kurt August Hermann Steffenhagen

 

Über Kurt August Hermann Steffenhagen 119 Artikel
Der Autor Kurt August Hermann Steffenhagen entlarvt mit unglaublicher Energie, Geistesschärfe und ohne Blatt vor dem Mund veraltete Methoden, Ansichten und Vereinfachungen. Er war über 25 Jahre Berater und Coach im internationalen TopManagement. Sein Thema ist der Paradigmen-wechsel im Denken des Managements. Sein Buch zu diesem Thema mit dem Titel „Management by Farce: Der feine Unterschied zwischen Führung und Eierkochen“ erschien kürzlich im BusinessVillage Verlag.
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Kurt August Hermann Steffenhagen


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Jurist, M&A Coach und Autor

 

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