Hauptsache bunte Bilder und viele Anglizismen

So wird das nichts mit Lean!

Eigentlich ist es wie immer und nein, ich müsste mich darüber auch überhaupt nicht aufregen, tue es aber dennoch!
Wie es scheint, ist mal wieder die Welle #wirmalenunseinLEANhaus in einigen Organisationen ausgebrochen.
So nehme ich zumindest das aktuell wahr.“

Konkret geht es um Organisationen, zu denen ich eine bestimmte Nähe habe. Und nein, es sind keine unserer Kunden.
Jedoch haben in zumindest zwei, mir bekannten Organisationen ganz wichtige Gremien es sich zur Aufgabe gemacht, in Anlehnung an das Toyota Produktionssystem, welches in Form eines Hauses dargestellt ist und es bereits in zig Abwandlungen im Netz zu finden gibt, ein weiteres, natürlich auf das Unternehmen angepasstes Haus zu erfinden bzw. zu „malen“.
Nicht dass ich per se etwas gegen die Visualisierung von „bestimmten Vorhaben“ hätte, was mir aber dabei auf die Nerven geht, ist, dass die Mitglieder dieser ganz wichtigen #LeanHausErstellungsGremien scheinbar meinen, sie müssten alles, was Sie mal irgendwo auf einem Kongress, in einem Seminar oder im Netz gefunden haben, in dieses gemalte „Haus“ hineinpacken. Und dies – so kommt es mir vor – völlig wahllos und jenseits von jedem Verstand, dazu natürlich vorzugsweise in englischer Sprache gepaart mit sämtlichen Methoden, die die LeanWelt und aktuelle Hypes so hergeben.

Es scheint ein typisch deutsches Problem zu sein, zu meinen, dass Methoden linear angewendet zwangsläufig zum „Erfolg“ führen. Verrückt wird es jedoch dann, wenn in diesem LeanHaus die Begriffe #Kaizen, #KVP, #TQM, #ShopfloorManagement und #SixSigma, um hier nur einige Begriffe zu nennen, wie wild irgendwo aufgeschrieben sind!
Natürlich darf auch der Aspekt der „Menschlichkeit“ nicht fehlen und deshalb gibt es eine Säule wie beispielsweise „People“ und weil es grade trendig ist, ist dort außerdem Arbeit 4.0 als Begriff zu finden. In der Säule „Technology“ kann man, denn schließlich möchte man ja innovativ sein, dann überdies „smarte Fabrik im digitalen Wandel“ lesen.

Liebe Mitglieder der LeanHausErstellungsGremien,

haben Sie schon mal darüber nachgedacht, was die jeweiligen Hintergründe dieser verwendeten Begriffe sind? Haben Sie sich zudem einmal überlegt, wie das Ganze ein „normaler Mensch“ verstehen soll oder geht es Ihnen nur darum zu zeigen, wie toll Sie malen und dass Sie enorm viele Begriffe aus dem Internet plagiieren können?
Wissen Sie, ich habe mir einmal den Spaß erlaubt und einen solchen, normalen Mitarbeiter zu einem vergleichbaren LeanHaus in seiner Organisation befragt, ihn gefragt, ob er mir das Haus erklären könne. Soll ich Ihnen die Antwort verraten? Nun, diese lautete: „Keine Ahnung! Das Bild hängt schon seit zwei Jahren hier. Es soll wohl zeigen, wie wir arbeiten sollen, aber interessieren tut das hier niemanden.“ Ziemlich ernüchternd, oder?
Sicherlich werden Sie jetzt sagen, dass Sie in einem breit angelegten Rollout alle Mitarbeitenden das Bild erklären würden, darüber hinaus natürlich auch das neue Logo dieses Hauses sowie einen neuen und klugen Slogan im Sinne von „We want to become the best organization between the west of Santa Fee and the east of Moscow“ vorstellen.
Machen Sie weiter so, doch verändern werden Sie damit nichts, erst recht nicht die Einstellung der Mitarbeitenden zu #Lean.

In diesem Sinne
Ralf Volkmer

Hinweis: Dieser Beitrag von Ralf Volkmer wurde am 19. August bereits auf LinkedIn veröffentlicht.

 

Über Ralf Volkmer 14 Artikel
Ralf Volkmer ist Lean Manager, Moderator & Coach bei der Learning Factory und beschäftigt sich seit 20 Jahren mit Lean Production. Seine Schwerpunkte liegen hierbei im Aufbau eines ganzheitlichen Lean Managementsystems sowie in der Integration und Entwicklung einer operativen und kontinuierlichen Verbesserungs- & Coaching-KATA in der Produktion und allen produktionsnahen Bereichen. Ein weiterer Fokus seiner beruflichen Tätigkeit ist die Durchführung von Verbesserungsworkshops und Projekten sowie das Coachen von Führungskräften im Veränderungsprozess.
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Lean-Coach und Experte
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