In höheren Sphären …

oder „Habes, habeberis?“ … Eine ernst gemeinte Persiflage

Die Luft wird oben auf der Leiter des Lebens dünn, so sagt man und je höher man kommt, beginnen jene Sphären, in denen solche wandeln, die man die Oberen nennt. Losgelöst vom Banalen, ohne das Schwarz des Alltags unter den gepflegten Fingernägeln schreiten sie dahin und manche von ihnen glauben, sie könnten fliegen. Einem Jedermann passiert dies nicht, nur manchmal nachts vielleicht im Schlafwandel, im Traum, in dem die Wirklichkeit zu Wolken wird, in und auf und zwischen denen man stapft … bis … na ja … der Wecker klingelt …

Man ist im Vorstandsbüro des Dr. Nemo, des CEO des größten Unternehmens der Welt, WMIA Incorporated …

Man, das ist Dr. Nemo, Elvira seine Assistentin und Umbra, sein Bruder. Der Interviewer sitzt mit am Mahagonitisch.

Übrigens, Elvira … der Worte wären nicht genug, ihre Schönheit zu beschreiben, genügt doch ein Augenblick des Anblicks dieses Wesens, um zu erleben wie Wirklichkeit zu Wolken wird … aber wir schweifen ab …

Umbra: „Nemo, mein Bruder, Du erinnerst mich an jenen Hans, der immer in die Luft guckte und dabei den Boden unter sich verlor.“

Nemo: „Wie meinst Du das? Versteh ich nicht. Ein CEO steht doch auf dem Boden der Wirklichkeit, wir spinnen doch nicht und außerdem kontrolliert uns der Aufsichtsrat.“

Umbra: „Dann schaut ihr eben beide in die Luft!“

Nemo: „Die Worte hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“

Elvira mag diese Exkursionen Nemos in die Literatur eigentlich nicht … sie findet, sie lenken ab.

Elvira: „Gut gebrüllt, Löwe! Jetzt kleistere uns mal nicht mit Deinen Zitaten zu!“

Umbra setzt nach: „WMIA Incorporated lebt in Parallelwelten!“

An dieser Stelle bedarf es einer Erklärung dafür, weshalb ein solch harter Tobak hier geraucht wird. Nun, es hat seinen Grund. Eine wichtige Sparte von WMIA Incorporated ist in schwerer See. Der Verkauf der Produkte leidet, einige behaupten, man hätte den Kontakt zum Boden, zum Kunden verloren.

Nemo: „Wir haben die besten Wissenschaftler der Welt in unserer Entwicklungsabteilung. Ich verstehe es nicht, warum wir nicht mehr die Ersten sind. Wir machen doch alles richtig!“

Umbra: „Mag sein, nutzt aber nichts!“

Nemo: „Was nutzt dann?“

Umbra: „Na, auf den Boden schauen, du Luftgucker!“

Nemo: „Wenn du damit die Kundenbeziehungen meinst, dann tun wir das. Wir haben eine Customer-Relationship-Abteilung.“

Elvira: „Der Chef dieser Abteilung ist sogar ein Harvardabsolvent.“

Man könnte den Dreien noch weiter lauschen und die Diskussion über das Problem zerfleddern sehen.

Der Interviewer fragt: „Reden denn die Abteilungen miteinander?“

Nemo: „Klar, wir haben wöchentliche Meetings mit Präsentationen der Ergebnisse der Arbeit.“

Interviewer: „Mmmh …!“

Umbra: „Reden ist gut, aber arbeiten die auch zusammen?“

Nemo: „Wie meinst du das?“

Umbra: „So wie ich sage. Der Herr Harvardabsolvent arbeitet mit dem Kundenbetreuer zusammen.“

Nemo: „Ach komm! Ein Akademiker und ein schlichter Sachbearbeiter arbeiten zusammen? Das passt nicht, das geht nicht, wo kommen wir denn da hin?“

Letztere Bemerkung erinnert den Interviewer an den Satz seiner Eltern: „Studiere, mein Junge, dann wird aus Dir was Besseres, dann brauchst du nicht mehr in den Maschinenraum wie Dein Vater.“

Das Gespräch versandet. Jedenfalls sieht es so aus, als müsste hier ein Knoten durchschlagen werden, wobei der Knoten jedenfalls Nemo nicht offensichtlich ist.

Nemo muss zum nächsten Termin und wie es weitergeht mit dem Problem … da wird Dr. Nemo schon was einfallen, immerhin ist er ja Akademiker. Was ihm einfällt, erfahren wir nächsten Dienstag.

Doch halt!

Liegt das, was zu tun ist, in den Sternen oder könnte man darüber sogar stolpern, wenn man auf dem Boden bleibt?

 


 

Das Interview von und mit Kurt August Hermann Steffenhagen hier ebenfalls als Podcast.

Alle Podcast-Folgen über die WMIA Incorporated finden Sie ebenfalls hier.

Autor: Kurt August Hermann Steffenhagen

Über Kurt August Hermann Steffenhagen 127 Artikel
Der Autor Kurt August Hermann Steffenhagen entlarvt mit unglaublicher Energie, Geistesschärfe und ohne Blatt vor dem Mund veraltete Methoden, Ansichten und Vereinfachungen. Er war über 25 Jahre Berater und Coach im internationalen TopManagement. Sein Thema ist der Paradigmen-wechsel im Denken des Managements. Sein Buch zu diesem Thema mit dem Titel „Management by Farce: Der feine Unterschied zwischen Führung und Eierkochen“ erschien kürzlich im BusinessVillage Verlag.
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Kurt August Hermann Steffenhagen


Kurt August Hermann Steffenhagen

Jurist, M&A Coach und Autor

 

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