Lean Development muss gelebt werden

Eine Studie des VDMA und der Staufen AG zeigt, dass neben dem entsprechenden Konzept seine konsequente Umsetzung und ein grundlegender Kulturwandel mindestens ebenso wichtig sind.

Immer dynamischere Märkte führen zu ständig kürzeren Produktlebenszyklen: von der Idee bis zur Markteinführung, vom Bestelleingang bis zur Auslieferung.
Mit dem Zeitdruck wächst auch die Komplexität der Produkte. Mechanik, Elektronik und IT verschmelzen mehr und mehr. Dazu intensiviert sich der globale Wettbewerb durch moderne Kommunikation und Logistik. Reicht es für künftige Erfolge also schon, nach schlanken Weltklasseprozessen in der Fertigung zu streben? Eher nicht, denn dass ein Kunde ein Produkt ausschließlich wegen dessen effizienter Herstellung kauft, ist kaum vorstellbar. Produkte ohne echten Mehrwert werden wenig gefragt sein. Der Erfolg eines Produktes entscheidet sich also bereits zu einem sehr großen Teil im Prozess der Produktgestaltung. Hier werden die Weichen für Fertigung, Qualität und Vertrieb gestellt.

Vorteile nur im Prinzip erkannt

Wie die Studie „Lean Development im deutschen Maschinenbau 2015“ des VDMA und der Unternehmensberatung Staufen AG zeigt, haben die meisten der befragten Unternehmen zwar die prinzipiellen Vorteile eines systematischen Vorgehens in der Entwicklung erkannt. Immerhin 81 Prozent von ihnen verfolgen eine Gesamtunternehmensstrategie und wenden diese auch auf Entwicklung und Konstruktion an.
Allerdings kommunizieren gerade noch 54 Prozent ihre Entwicklungsstrategie klar in diese Bereiche.
Und lediglich 49 Prozent überführen sie in eine Entwicklungs-Roadmap. Auch bei der Entwicklungstätigkeit selbst ist zunächst kein Mangel an Systematik erkennbar.
So haben 75 Prozent der teilnehmenden Unternehmen bereits begonnen, ihre Entwicklungsprozesse zu standardisieren. Allerdings geben nur 37 Prozent an, dass diese Standardprozesse auch von allen Mitarbeitern angewendet werden.

Mensch wird oft vergessen

In vielen Fällen klafft demnach noch eine Lücke zwischen dem Anspruch von Lean Development und der Wirklichkeit in den Entwicklungsabteilungen. Die vom Management etablierten Lean-Konzepte lassen leider noch zu oft die Menschen in den Prozessen außen vor. Hier liegt wohl die größte Herausforderung.
Nur wer es schafft, die Mitarbeiter mitzunehmen, wird erfolgreich im zunehmend anspruchsvollen Wettbewerb bestehen. Weder die Anzahl der Lean-Werkzeuge in Fertigung und Administration sichert die künftige Wettbewerbsfähigkeit noch isoliert eingeführte Einzelelemente eines Lean Development.
Die Antwort auf den heutigen Wettbewerb lautet: konsequentes Vermeiden von Verschwendung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Lean Development ist dazu ein wichtiger Schritt. Zusammen mit einer effizienten Fertigung entsteht so eine maximal lern- und reaktionsfähige Organisation, die sich jeder Herausforderung erfolgreich stellt.

Autor: Felix Prumbohm

 


 

Felix Prumbohm ist Referent für Produktion, Lean Management, Entwicklung und Konstruktion in der Abteilung Betriebswirtschaft im VDMA in Frankfurt am Main. Zuvor hat er mehrere Jahre Erfahrung in Industrieunternehmen gesammelt, unter anderem im Supply Chain Management sowie in verschiedenen Lean Transformationen, Kaizens und Projekten als Lean Six Sigma Green Belt.

 

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