Jenseits der Ideologien – Lean, MES und 4.0 für den Kunden!

In diesen Beitrag wird für ein Miteinander
von Lean, MES und Industrie 4.0 plädiert.
Am Ende zählt nur eins:
Der Kunde und die Wertschöpfung für ihn.
Freundschaftliche Ignoranz

Lange Zeit waren weite Teile der Communities für Lean auf der einen und für Industrie 4.0 (und MES) auf der anderen – überspitzt und vereinfachend formuliert – „freundschaftlich“ in wechselseitiger Ignoranz oder schlimmer verbunden. Wer Lean auf seine Fahne geschrieben hatte, fürchtete die Technikfixierung von Industrie 4.0 und ein neues CIM. Umgekehrt hatte auch mancher 4.0-Innovator Vorurteile gegenüber einem Paradigma, das natürlich schon einige Jahre auf dem Buckel hat und sich wie jede andere etablierte Heilsbotschaft in Zeiten von Digitalisierung, aber auch von Agile und neuer Fehlerkultur danach abklopfen lassen muss, wie zeitgemäß die eigene Botschaft noch ist.

Die Box und der Kunde

Und dann kam die Box, jene Box 1 auf der #NextAct, wo Vertreter von Lean und Industrie 4.0/MES gemeinsam erkannten, dass sie eigentlich das gleiche Ziel haben: Den Kunden und die Schaffung von Werten für diesen Kunden. Nur das alleine kann jenseits der Ideologie der Bewertungsansatz für richtig oder falsch sein, kein Paradigma, keine Methode, kein Lösungsansatz ist per se falsch oder richtig, am Ende kommt es drauf an, was hinten rauskommt. So war dann auch Ralf Volkmer zufrieden über dieses Ergebnis wie sein Video-Interview von der #NextAct zeigt.

Industrie 4.0-Botschafter pilgern zum Lean-Mekka

#NextAct sollte natürlich nur ein Anfang sein. Die neue gemeinsame Heilsbotschaft vermittelten dann auch Botschafter von Industrie 4.0 im neuen Mekka der Lean-Community, bei LeanAroundTheClock. Der Autor, aber auch das Industrie 4.0-Team von Rödl & Partner um Jörg Hattenbach machten in ihren Vorträgen und in den Dialogen jenseits der Vorträge klar, dass Industrie 4.0 keinen Sinn macht, wenn nicht zuvor die zugrundeliegenden Prozesse etc. optimiert wurden. Um ein Bild von Ralf Volkmer zu bemühen: Lean ist das Wasser, ohne das Industrie 4.0 als Schiff nicht fahren kann.
Und in der Tat gibt es viele Industrie 4.0-Vertreter wie ein Johann Soder, CTO von SEW Eurodrive, die Lean und Industrie 4.0 zusammendenken und Brückenbauer sind. Aber auch der Initiator der MES Dachverbands, Professor Dr. Jürgen Kletti von MPDV, ist ein Verfechter einer Industrie 4.0, die sich ihrer notwendigen Grundlagen bewusst ist. In seinem Beitrag6 Gründe, warum viele Unternehmen trotz Industrie 4.0 scheitern werden“ formuliert er entsprechend: „Wenn wir Industrie 4.0 in diesem Sinne für den Moment mit einer perfekten Produktion im obigen Sinne gleichsetzen und das abgleichen mit der Realität, dann erkennen wir 6 Baustellen, die auf dem Weg zur Perfektion zu bewältigen bzw. nacheinander zu perfektionieren sind:

  1. Die Status-Quo-Analyse als notwendiger Ausgangspunkt
  2. Die Produktion als Erfolgsbasis
  3. Die Produktionssteuerung für Optimierungen im kurzen Zeithorizont
  4. Die Produktionsplanung für Optimierungen im mittleren Zeithorizont
  5. Das Produktionsmanagement / -controlling, u.a. für die Schwachstellen-Analyse
  6. Die Kontinuierliche Verbesserung des Produktionssystems mit Ziel-Ist-Abgleich“

Anzeige

Schon fordern einige MES-Vertreter wie Michael Möller von gbo datacomp, dass man auch bei MES über Lean IT nachdenken sollte (siehe Artikel „Lean MES 4.0 – eine mittelstandstaugliche Alternative für die Industrie 4.0?“). Insofern kann man feststellen, dass sich sowohl die Industrie 4.0- als auch die MES-Communities auf die komplementäre Kompetenz Lean einlassen. Dass zwei der prominenten Vortragenden auf dem nächsten Change to Kaizen-Symposium zugleich auch Vertreter für Industrie 4.0 sind, unterstreicht diese Offenheit.

Aber auch MES und Industrie 4.0 kein Teufelswerk

Damit stellt sich aber natürlich auch umgekehrt die Frage, wie offen „Lean“ ist, das eigene Konzept angesichts der Trends wie Digitalisierung, Agile, neue Fehlertoleranz etc. zu öffnen. Im Idealfall sollte auch Lean von Impulsen aus den Industrie 4.0- und MES-Communities profitieren. Aus diesem Grund möchten die Lean Knowledge Base und Competence Site mit diesem Beitrag eine Serie starten, damit hier eine Vernetzung auch wechselseitig gelingt. Auf ein gutes Gelingen!

Autor: Dr. Winfried Felser

Über Dr. Winfried Felser 4 Artikel
Dr. Winfried Felser hat als Unternehmensberater und später als stellvertretender Leiter des Fraunhofer-Anwendungszentrums für Logistikorientierte Betriebswirtschaft in Paderborn Unternehmen dabei unterstützt, neue Technologien für den Wandel von Produkten und Wertschöpfungsprozessen zu nutzen. Der Preisträger des Bundeswettbewerbs Multimedia von 1999 (Bundesministerium für Wirtschaft) ist seit 2000 Betreiber der Competence Site, einem Kompetenz-Netzwerk mit mehreren Tausend Experten aus Wissenschaft und Praxis zu den Themenbereich Management, IT und Technik. Er ist zudem Herausgeber des Competence Reports und der Competence Books Themen wie BPM, MES, CRM, Intralogistik, Enterprise 2.0, Business Intelligence und Industrie 4.0.
Loading Disqus Comments ...
Loading Facebook Comments ...

No Trackbacks.

Dr. Winfried Felser

 

Dr. Winfried Felser

 

CEO 
NetSkill Solutions GmbH

XING 32px Facebook 32px LinkedIn 32px Twitter 32px