Make WMIA great again!

oder „Homo homini lupus.“ … Eine ernst gemeinte Persiflage

Die Frage der Selbstreflexion, also die Frage, was das ist und wie das geht, gehört wohl zu den letzten Geheimnissen dieser Welt, auf deren Beipackzettel der erweiterte Firmenslogan „We know and we make it all“ gedruckt sein dürfte, jedenfalls in der Version wie man sie in den Schachteln mit vielversprechenden blauen Pillen für die wesentlichen Fragen des Lebens findet.

Das Bezeichnende der Großen dieses Erdballs ist es ja, dass sie nicht unbedingt eine Vorliebe für Fragen haben, sondern sich eher als enge Freunde von Antworten verstehen.
Insofern ist es wohl ein weiter Weg zur Selbstreflexion, dessen Kern ja Fragen und nicht Antworten sind …

Dr. Nemo, CEO des größten Unternehmens der Welt WMIA Incorporated, dessen Verwaltungssitz nicht von ungefähr in Los Straneros beheimatet ist, gehört zu jenen, die meist lieber antworten als zu fragen.

Nun, wir werden sehen, wie das mit der Selbstreflexion bei WMIA Incorporated weitergeht. Immerhin steht die Frage im Raum und das Interessante dürfte sein, wie man damit bei WMIA Incorporated umgeht.

Dieses Interview schließt den Reigen um die Selbstreflexion, es ist sozusagen ein Statement zum ganzen Komplex, frei nach dem Managementmotto: „Es muss alles einen Anfang und ein Ende haben.“

Der Interviewer kann sich einen gewissen Zynismus seiner Gedanken nicht erwehren. Er denkt: „Vielleicht gibt es ja ein Diplom in Selbstreflexion bei WMIA oder so etwas Ähnliches, vorstellbar ist hier ja alles.“

Aber es kommt noch bunter …

Man befindet sich im 126. Stockwerk, Vorstandsbüro.
Auf dem Wege dorthin begegnet der Interviewer einer Reihe von schön gerahmten Plakaten.

Das Besondere dieser Plakate ist ihre Neonfarbe in verschiedenen Ausführungen und alle haben einen ins Auge knallenden Text wie zum Beispiel: „Manchmal bin ich großartig, ich könnte es immer sein!“ oder „Du bist stark, Du hast es nur noch nicht entdeckt!“ oder „WMIA, gemeinsam sind wir Sieger, du hast die Chance, Du bist es wert!

Na ja, einige Plakate hingen etwas schief und das nicht nur vom Content.

Dr. Nemo sitzt an seinem Schreibtisch, als er den Interviewer begrüßt.

Er trägt seine Lesebrille aus feinem afrikanischen Büffelhorn, blickt über sie hinweg und sagt: „Haben Sie es gesehen? Wir haben die Selbstreflexion jetzt operationalisiert, sozusagen demokratisiert. Jeder soll Gelegenheit haben, sich selbst zu reflektieren. Unser neuer HRManager Mr. Tsai Tung hat das organisiert. Wir haben ihn extra für diese esoterischen Übungen angestellt.
Anmerkung: Mr. Tsai Tung ist nicht wie man glauben mag, einem Zen-Kloster entsprungen, sondern war ein ehemals erfolgloser Volontär der Yellow Press in California … aber das nur nebenbei, zu übersehen ist es eigentlich nicht.

Nemo nahm somit die Antwort auf die noch nicht gestellte Frage des Interviewers nach den Plakaten schon mal vorweg. Das nennt man übrigens in weniger vornehmen Kreisen „Das Maul stopfen“…

Übrigens Elvira, die süße Maus – mit dieser Bezeichnung wird hier übrigens nur die Macho-Phantasie des Interviewers mal greifbar gemacht, die Redaktion der Interviews distanziert sich von solchen Platituden natürlich – also Elvira sitzt wie immer auf der Fensterbank und hält einen dieser Glückskekse in der Hand.

Elvira: „Nemo, hör mal, was hier steht: Deine innere Schönheit strahlt!“

Der Interviewer denkt, aussprechen tut er es nicht: „Das ist ja wie im Tollhaus hier.“

Nemo: „Sehen Sie, das mit der Selbstreflexion ist schon wichtig. Aber es muss in unseren Kontext passen. Wir wollen damit WMIA Incorporated noch größer machen. Nur Mitarbeiter, die selbst reflektiert sind, werden das schaffen. Deshalb haben wir die Plakate aufgehängt. Das sind sozusagen Steilvorlagen für die Selbsterkenntnis.“

Interviewer: „Es heißt aber doch Selbstreflexion mit der Betonung auf „selbst“.

Nemo: „Wir haben diesen Prozess einfach gestrafft und effizient gemacht so wie wir es in der Produktion auch machen. Wir geben einfach Antworten der Erkenntnis vor, mund- oder gemütsgerecht. Zeit ist Geld.“

Interviewer: „Mmmh …!“

Nemo muss wie immer zum nächsten Termin.

Elvira begleitet den Interviewer zum Fahrstuhl.

Interviewer: „War es das mit der Selbstreflexion bei WMIA Incorporated?“

Elvira: „Ja, sieht so aus!“

Nun, der Ausflug in das vermeintlich Esoterische ist vollbracht.

Wie Dr. Nemo die nächste Krise, die sich bei WMIA Incorporated abzeichnet, meistern wird, erfahren wir nächsten Dienstag. Übrigens diese Krise währt schon 50 Jahre, nur jetzt ist sie offenbar. Es wird spannend wie immer …


 

Das Interview von und mit Kurt August Hermann Steffenhagen hier ebenfalls als Podcast.

Autor: Kurt August Hermann Steffenhagen

Über Kurt August Hermann Steffenhagen 83 Artikel
Der Autor Kurt August Hermann Steffenhagen entlarvt mit unglaublicher Energie, Geistesschärfe und ohne Blatt vor dem Mund veraltete Methoden, Ansichten und Vereinfachungen. Er war über 25 Jahre Berater und Coach im internationalen TopManagement. Sein Thema ist der Paradigmen-wechsel im Denken des Managements. Sein Buch zu diesem Thema mit dem Titel „Management by Farce: Der feine Unterschied zwischen Führung und Eierkochen“ erschien kürzlich im BusinessVillage Verlag.
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Kurt August Hermann Steffenhagen


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Jurist, M&A Coach und Autor

 

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