Nemo ahnt etwas …

oder „Musica artium optima est.“ … Eine ernst gemeinte Persiflage

Je dunkler die Tage werden, desto mehr überfällt den einen oder anderen das, was man Besinnlichkeit nennt.

In hellen sommerlichen Zeiten, im Licht der Sonne ist das eher weniger verbreitet …

Los Straneros liegt das ganze Jahr im Sonnenschein und oben im 126. Stockwerk des Verwaltungsgebäudes von WMIA Incorporated, da oben über den Wolken sind die, die immer im Lichte stehen. Der CEO zum Beispiel, Dr. Nemo. Das hat seine Vor- und Nachteile. Wir werden sehen.

Er hat ja ordentlich Input bekommen. Input von seinen beiden Damen, seiner Ehefrau Fortunata und der Assistentin Elvira. Apropos Elvira … auf eine Beschreibung ihres heutigen Outfits wird verzichtet, auch auf das, was man die Träume nennt, die angesichts einer solchen Frau entstehen. Überlassen wir es der Phantasie des Hörers … wir haben heute Wichtigeres zu tun.

Man ist im Vorstandsbüro, später Vormittag, fast weiß bläuliches Licht flimmert durch den Raum.

Fortunata dreht sich eine Zigarette, Nemo räuspert sich deshalb und Elvira hat sich in einem der braunen Ledersessel drapiert.

Nemo geht auf und ab: „Ich habe die ganze Nacht Klavier gespielt …“

Elvira: „Schön …“

Nun, das hätte man nicht erwartet, dass Nemo sozusagen als Reaktion auf das, was er zu Hören bekam, sich ans Klavier setzt. Ergebnisse einer Beratung sehen meist nicht so aus. Aber so sind die Frauen … sie wecken oft unerwartete, irrationale Seiten im Manne.

Fortunata: „Du hast die ganze Nacht Klavier gespielt, Donnerwetter…“

Nemo: „Ich konnte und wollte nicht aufhören. Ich hatte den Eindruck, dass nicht ich spiele, sondern Es spielte, meine Finger waren nur Werkzeuge, Umsetzer oder so ...“

Elvira: „Wer oder Was ist dieses „Es“, das da spielte?“

Nemo: „Ich könnte es nicht beschreiben, das ist jedenfalls, was vielen Künstlern geschieht. Man spielt, macht Musik oder schreibt, selbstvergessen …

Fortunata: „Mein kleiner Poet …“ Dabei schmunzelt sie und drückt wie immer ihre nur kurz angerauchte Zigarette im Kristallaschenbecher aus.

Elvira und Fortunata zwinkern sich zu.

Der Interviewer, dem das nicht entgeht, fragt später Elvira beim Hinausgehen zum Fahrstuhl, was das denn bedeutete.

Elvira: „Das war ein Zeichen für uns beide. Ein Zeichen der Freude darüber, dass Nemo auf die Kunst zu sprechen kam und gleichzeitig ein „Obacht“ wie man im bayrischen sagt, also ein „Aufgepasst!“.

Interviewer: „Versteh ich nicht …“

Elvira: „Die Freude war darüber, dass Dr. Nemo über seine andere Seite sprach … übrigens selten bei Männern in der Position. Das „Obacht“ galt dem, dass wir diesen zarten Faden von ihm selber weiterspinnen lassen und nicht intervenieren, jedenfalls nicht zu offensichtlich.“

Interviewer: „Die Bemerkung „Mein kleiner Poet“ ging dann ja wohl in diese Richtung.“

Elvira: „Ja. Fortunata umarmte ihn damit gewissermaßen … so wollten wir seine Sichtweise ändern in der Betrachtung dessen, was er tut.“

Interviewer: „Typisch Frau, nicht schlecht …“

Also, wie ging es weiter…

Fortunata: „Um in der Diktion des Managements zu bleiben, dieses „Es“ ist in der Musik Dein Chef.“

Nemo: „Ja, es ist wunderbar. Das Denken ist ausgeschaltet und es fließt einfach.“

Fortunata: „Gibt es dieses „Es“, dass Dein Chef ist, auch in Deinem Handeln als CEO?“

Nemo schaut und fragt: „Was sollte dieses „Es“ denn sein? Ich bin doch der Chef!“

Fortunata: „Stimmt. Viele Dinge, die Du tust und entscheidest, laufen wie selbstverständlich ab.“

Nemo: „Ne, ich denke doch nach, ich bin doch ein freier Mann in meiner Position.“

Fortunata: „Stimmt. Und denk mal an die Musik … Denkst Du da nach?“

Nemo: „Wozu, es ist doch alles klar. Musik, die Harmonien, sie folgt einer gewissen Struktur, ist fast wie Mathematik.“

Elvira, die dem aufmerksam und gespannt lauschte: „Und die Struktur ist auf Steintafeln gemeißelt“?

Nemo stutzt. Er ahnt etwas und was das ist, da kommt er vielleicht selber drauf.

Heute wird das Interview dadurch beendet, dass Fortunata einen Termin hat, zu dem Nemo sie fährt.

Profan wie es ist, es ist ein Frisörtermin … Frauen verbinden ja gern das Profane mit dem Wichtigen.

Was die beiden auf der Fahrt besprachen, hören wir wie immer am nächsten Dienstag …


 

Das Interview von und mit Kurt August Hermann Steffenhagen hier ebenfalls als Podcast.

Autor: Kurt August Hermann Steffenhagen

Über Kurt August Hermann Steffenhagen 124 Artikel
Der Autor Kurt August Hermann Steffenhagen entlarvt mit unglaublicher Energie, Geistesschärfe und ohne Blatt vor dem Mund veraltete Methoden, Ansichten und Vereinfachungen. Er war über 25 Jahre Berater und Coach im internationalen TopManagement. Sein Thema ist der Paradigmen-wechsel im Denken des Managements. Sein Buch zu diesem Thema mit dem Titel „Management by Farce: Der feine Unterschied zwischen Führung und Eierkochen“ erschien kürzlich im BusinessVillage Verlag.
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Kurt August Hermann Steffenhagen


Kurt August Hermann Steffenhagen

Jurist, M&A Coach und Autor

 

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