Soße oder Fleisch, die Rolle des CEO von WMIA

oder „To be, or not to be“… Eine ernst gemeinte Persiflage

Es gibt ja Stellenbeschreibungen. Sie informieren über die Tätigkeit, die Aufgabenstellung, hierarchische Position, die Befugnisse und was auch immer.

Ein Chief Executive Officer, zumal der CEO des weltgrößten und mehr oder weniger erfolgreichsten Unternehmens der Welt, eben WMIA Inc., lässt sich wohl nicht in so eine Struktur pressen. Oder doch? Wir werden sehen, jedenfalls ist das das heutige Thema des Interviews mit Dr. Nemo.

Der Zeitpunkt für die Reflexion der Rolle des Dr. Nemo hätte nicht besser gewählt werden können. Heute begeht er nämlich sein 25-jähriges Jubiläum als CEO von WMIA Incorporated.

Das Interview findet diesmal nachmittags statt. Also nach vier, insofern ist die Atmosphäre schon etwas lockerer. Zudem ist es eine Ehre, die dem Interviewer zuteil wird, an diesem besonderen Tag eine Scheibe der wertvollen Zeit Dr. Nemos geschenkt zu bekommen.

Das Vorstandsbüro gleicht einem Blumenmeer und das Interview sollte auch kulinarisch umrahmt werden.

Dr. Nemo würde 10 Minuten später kommen.

Derweil legt Elvira, die schöne Assistentin des Vorstands kleine Perlmuttlöffelchen neben die Teller auf dem Tisch, an dem sonst die Welt bewegt wird. Es gibt schlichten Kaviar, Malossol, auf Eis liegend, feinster grauer Farbe und Körnung.

Elvira: „Nehmen sie schon mal, mein Herr!

Diese Verbindung vom Anblick der ausgewählt weiblichen Eleganz Elviras, die vermutlich in direkter Linie der biblischen Verführerin Eva entsprungen ist und auf Eis liegendem Kaviar ist so, als würde der Schnee in Kitzbühel brennen. Nun gut, wir haben ja auch ein heißes Thema.

Herr Dr. Nemo erscheint im glänzenden Smoking, dem Ehrentage angemessen von der Aufsichtsratssitzung. Man hatte schon Prösterchen in intimer Runde gemacht.

„In vino veritas“, dachte der Interviewer und freute sich auf Bekenntnisse zur Frage der Rolle des CEO, die beim letzten Interview von der Gattin Dr. Nemos aufgeworfen wurde, nämlich, ob Nemo nun Soße oder Fleisch in dem Unternehmen ist.

Die Metapher zur Bezeichnung der Rolle Nemos steht seither im Raum.

Nemo setzt sich und schmunzelt wie immer oder lächelt er oder hat er sein TV-Gesicht aufgesetzt, na ja, ist egal.

Nemo:“ Meine Frau hat es gut erfasst. Soße oder Fleisch. Kurzum, ich bin die Soße hier.

Interviewer: „Was bedeutet das?“

Nemo: „Das Fleisch ist dem Kenner das Wesentliche. Es ist entweder gut oder nicht. Unser Stück Fleisch, wenn Sie so wollen, WMIA Incorporated ist erstklassig. Die Soße bei solch edlem Fleisch kann, aber muss nicht sein.

Interviewer: „Damit stellen Sie sich selbst in Frage! Ist Ihre Rolle überflüssig?“

Nemo: “Die Rolle der Soße ist nicht überflüssig. Im Gegenteil, sie hat die Kraft, das Fleisch zu unterstützen oder zu verderben. Letzteres nennt man in der Wirtschaft den Rand des Ruins, kennen Sie ja, was da passiert.

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Interviewer: „Was ist denn nun der Unterschied zwischen Soße und Fleisch?“

Nemo: „Das sind zwei Welten. Das Fleisch ist real. Das sind unsere Produkte, das Management ist virtuell.

Interviewer: „Was ist der Unterschied zwischen real und virtuell?“

Nemo: „Der Unterschied liegt in den Spielregeln. Das Reale folgt der Qualität, dem für den Kunden Nützlichem, dem Wert, den es produziert. Das Virtuelle, das Management folgt den Regeln der Macht.

Interviewer: „Mmmmh…“

Eigentlich hätte der Interviewer in eine Art Schnappatmung verfallen müssen, allerdings… irgendwie leuchtet ihm das, was Nemo sagt, als informierter Leser des Wirtschaftsteils der Zeitungen ein.

Interviewer: „Dann geht es eigentlich nicht mehr um das Unternehmen…?“

Nemo: „Sie kennen den Monolog von Hamlet? To be, or not to be? Darum geht es, jedenfalls bei mir als CEO.

Interviewer: „Woraus resultiert denn Ihre Existenzberechtigung als CEO, wenn Sie schon eigentlich mit dem Kern des Unternehmens nicht mehr so viel zu tun haben?“

Nemo: „Sie resultiert aus unserer Kultur. Wir meinen Helden oder Führer haben zu müssen. Das leitet sich aus der Geschichte ab, aus der Geschichte des Militärs, aus der Geschichte der Kriege.

Dem Interviewer fiel eine Sequenz aus dem Film von Charlie Chaplin „Der große Diktator“ ein. Aber dies Bekenntnis der Ohnmacht des CEO wollte er denn doch nicht zum Vorschein bringen.

Der Kaviar zerlegte sich leicht salzig auf der Zunge.

Dr. Nemo schaute mit weltmännischem Blick auf alle sieben Weltmeere, die ihm zu Füssen liegen. Elvira legt noch etwas Kaviar nach.

Nemo: „Zum Thema Macht, Krieg und Management gibt es einen bemerkenswerten Satz von Bertold Brecht. Ich denke immer mehr darüber nach. Er lautet: Das große Karthago führte drei Kriege. Nach dem ersten war es noch mächtig. Nach dem zweiten war es noch bewohnbar. Nach dem dritten war es nicht mehr zu finden.

Wie immer geleitet Elvira den diesmal köstlichst bewirteten Interviewer zum Fahrstuhl.

Interviewer: „Sagen Sie, Elvira, welches Bild hat Dr. Nemo eigentlich von der Zukunft?“

Elvira antwortet auf solche Fragen wie immer: „Das fragen Sie ihn mal am nächsten Dienstag…

 

Das Interview von und mit Kurt August Hermann Steffenhagen hier ebenfalls als Podcast.

Autor: Kurt August Hermann Steffenhagen

Über Kurt August Hermann Steffenhagen 127 Artikel
Der Autor Kurt August Hermann Steffenhagen entlarvt mit unglaublicher Energie, Geistesschärfe und ohne Blatt vor dem Mund veraltete Methoden, Ansichten und Vereinfachungen. Er war über 25 Jahre Berater und Coach im internationalen TopManagement. Sein Thema ist der Paradigmen-wechsel im Denken des Managements. Sein Buch zu diesem Thema mit dem Titel „Management by Farce: Der feine Unterschied zwischen Führung und Eierkochen“ erschien kürzlich im BusinessVillage Verlag.
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Kurt August Hermann Steffenhagen


Kurt August Hermann Steffenhagen

Jurist, M&A Coach und Autor

 

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