Striptease

oder „Sapere aude, incipe.“ … Eine ernst gemeinte Persiflage

Dass in Los Straneros fast immer die Sonne scheint, hat bei der Auswahl des Verwaltungssitzes von WMIA Incorporated sicher auch eine Rolle gespielt. Zahlen, die von der Sonne beschienen werden, machen sich bei Aktionärs- und Aufsichtsratssitzungen neben den wohlfeilen Bratwürsten – pro Nase 2 Stück, nebst einem Klacks feinem Senf, handgemacht von jener Großmutter aus der TV-Werbung – immer gut und die Entlastung des Vorstands ist kaum von dunklen Wolken umgeben.

Ein entlasteter Vorstand ist bei WMIA Incorporated eine reine Formsache und das nicht nur, weil die Aktionäre zumeist Mitglieder der Familie Nemo sind, die berühmten Krähen hacken sich ja bekanntlich nicht einander die Augen aus.

Der Interviewer und der Clown treffen gleichzeitig in der Empfangshalle ein.

Interviewer: „Wer sind Sie eigentlich, Clown? Woher haben Sie Ihre Erfahrung?“

Clown, der schon ein paar Schritte vorausgegangen war, dreht sich um: „Wieso fragen Sie?“

Interviewer: „Na, das mit der Intervention neulich, die Sie erwähnten … woher haben sie das?“

Clown: „Ich war einige Zeit als Animateur zu Gast bei einem berühmten Hütchenspieler, Sie wissen schon, die Zocker an den italienischen Autobahnraststätten.“

Interviewer: „… und was hat das mit Ihrer Frage ‚Ach, ist das so‘ zu tun?“

Clown: „Ganz einfach, dieser Meisterzocker machte mich immer glauben, dass der Geldschein, das heißt mein Gewinn unter einem bestimmten Hütchen liegt. Das war aber nie so … und so kam ich auf die Frage „Ach, ist das so“, wenn mir sozusagen weisgemacht wurde, wo die Lösung liegt.“

Interviewer: „Aha. Und dann?“

Clown: „Warten wir’s ab, wir sind ja gleich bei Dr. Nemo.“

Elvira stand schon am Fahrstuhl und wartete auf die Herren.

Elvira: „Hereinspaziert!“, wobei sie lächelte.

Der Interviewer nahm das natürlich persönlich, so geht es den meisten Herren, die glauben das Lächeln gelte nur ihnen und hätte eine Bedeutung.

Nun, es hatte allerdings eine Bedeutung.

Der Fahrstuhl, der ja bekanntlich ohne Halt, sozusagen haltlos in die Höhen des Vorstandsbüros rauscht, hielt plötzlich zwischen zwei Stockwerken an.

Der Clown und der Interviewer blicken verdutzt. Elvira lächelt und ihr Lächeln mündet in ein bezauberndes Kichern, so eines, das junge Mädchen tragen, wenn sie verhohlen über junge Männchen lachen.

Aus dem Lautsprecher des Fahrstuhls erscholl eine Stimme, die so samten war, dass man zur Vertiefung dieser Atmosphäre eigentlich nur noch Räucherstäbchen gebraucht hätte, um selig gesprochen zu werden.

Die Stimme sagte: „Haltet ein auf Eurem Weg. Atmet tief und fühlt die Entspannung.

Dann rauschte der Fahrstuhl weiter.

Interviewer: „Was soll das?“

Elvira: „Das ist eine neue Idee unseres Feelgoodmanagers. Nemo ist sofort davon begeistert gewesen.“

Interviewer: „Des was?“

Elvira: „Feelgoodmanager!“

Man war ganz oben angelangt und Elvira ging einen Schritt voraus.

Der Anblick dieser Fee mit ihrem tiefen Rücken-Dekolleté, in das ihre tiefschwarzinsbläulichsündige-übergehenden Haare fielen, wurde nur noch dadurch getoppt, dass sie wie die gleitende Schleppe eines langen Kleides einen leichten Duft hinter sich herzog, den der Kenner als dieses irre teure Parfum Chanel Punkt 19, eine Weiterentwicklung von Chanel Punkt 5 sofort erkennt. Elvira geht mit der Zeit. Aus New Work hat sie New Fragrance gemacht und Coco Chanel scheint diese Entwicklung der Welt mit den Nummerierungen des Fortschritts bei ihren Parfums ja genial vorausgedacht zu haben. Ob die geistigen Athleten, die New Work erfunden haben, das bei ihr abkupferten, ist einen Gedanken wert …

Dr. Nemo war gut gelaunt und aus seinen Augen blinzelte der Schalk.

Nemo: „Na, alles entspannt?

Interviewer, der noch ganz beduselt war vom Anblick Elviras und dieser New Fragrance meinte: „Mmm…“

Clown: „Sie haben einen Feelgoodmanager?“

Nemo: „Ja, entspannte Mitarbeiter sind produktiver!

Clown: „Ach, ist das so?“

Nemo: „Was soll dies ‚Ach, ist das so‘?

Clown: „Ich stelle Ihre These in Frage, ziehe ihr den Boden der Wahrheit weg.“

Nemo: „Ach, Sie machen sozusagen geistigen Striptease. Sie entkleiden mich meiner Theorien.

Clown: „Auf den Punkt!“

Nemo: „Was wollen Sie damit erreichen?

Clown: „Das ist eine gute Frage!“

Fast ist es müßig zu erwähnen, dass Dr. Nemo wieder zum nächsten Termin eilt.

Man geht zum Fahrstuhl, der Clown, der Interviewer und Elvira.

Elvira: „Was hat es mit dem Entkleiden auf sich?“

Clown: „Sehen Sie Elvira, ich habe alles verloren, was ich glaubte, dass es notwendig wäre. Übrig blieb eine Leere.“

Interviewer: „Sie Ärmster, sollen wir für Sie sammeln?“

Nun, es ist wie es ist und wie es immer war. Wer anders denkt, wird mit Spott überzogen …

Elvira: „Was meinen Sie mit Leere?“

Der Clown blieb still, dem Interviewer entfuhr sein legendäres „Mmmh …“ und Elvira holte die Post vom Sekretariat.

Was der Clown meinte und was das nicht nur mit den Feelgoodmanagern und den Nummerierungen der New Work auf sich hat, erfahren wir nächsten Dienstag …


 

Das Interview von und mit Kurt August Hermann Steffenhagen hier ebenfalls als Podcast.

Autor: Kurt August Hermann Steffenhagen

Über Kurt August Hermann Steffenhagen 74 Artikel
Der Autor Kurt August Hermann Steffenhagen entlarvt mit unglaublicher Energie, Geistesschärfe und ohne Blatt vor dem Mund veraltete Methoden, Ansichten und Vereinfachungen. Er war über 25 Jahre Berater und Coach im internationalen TopManagement. Sein Thema ist der Paradigmen-wechsel im Denken des Managements. Sein Buch zu diesem Thema mit dem Titel „Management by Farce: Der feine Unterschied zwischen Führung und Eierkochen“ erschien kürzlich im BusinessVillage Verlag.
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Kurt August Hermann Steffenhagen


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Jurist, M&A Coach und Autor

 

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