The Big Player, Dr. Nemo

oder „Amat victoria curam.“ … Eine ernst gemeinte Persiflage

Der Gedanke, dass die Großen dieser Welt gelegentlich schön sind, dass manche sogar sexy erscheinen, einige in der „Hall of Fame“ gastieren und Auserwählte sogar im Wachsfigurenkabinett der Madame Tussauds jedem zur Ansicht freigegeben werden, ist bekannt. Wobei letzteres, also das Wachsfigurenkabinett das wohl treffendste Abbild der Wirklichkeit ist und das nicht wegen der optischen Ähnlichkeit der Figuren mit den realen Playern auf der Bühne dieser Welt, sondern aus einem viel tieferen Grund.
Aber wir werden sehen.

Man, das heißt Elvira und der der Interviewer betreten das Vorstandsbüro. Dr. Nemo sitzt am Schreibtisch.

Doch halt! Was wäre ein Besuch bei Dr. Nemo ohne die Erwähnung, ohne die Hommage an Elvira, die Assistentin des Vorstands.
Elvira hat nicht nur schöne Kleider, sie besitzt auch ein Repertoire an unsichtbaren Fähigkeiten, jene von der Art, die aus Tönen Musik machen, inszenieren und Illusionen schaffen, flüchtige Zwischenräume, Haltestellen der Gedanken im Rausch des Big Business. Nun, das zu erspüren ist einfach, der schöne Anblick dieser Frau ist schon mal ein erster Schritt. Das könnte man weiter ausführen, aber wie immer fehlt die Zeit dafür … und außerdem ist das ja Philosophie, die in eine Leere führt, die … na ja, lassen wir das mal stehen …

Also, wir sind im Büro des Dr. Nemo, im 126. Stockwerk des Verwaltungsgebäudes von WMIA Incorporated, Los Straneros, dem größten Unternehmen der Welt.

Dr. Nemo sitzt wie gesagt am Schreibtisch. Bemerkenswert ist seine Haltung. Er schaut wie ein weiser Staatsmann, „elder statesman“ wie man sagt, und diese Bezeichnung hätte ihm sicher geschmeichelt und seinen inzwischen verstorbenen Papa sowie den Rest des Nemo-Clans auch erfreut.

Sein Blick ist leicht nach oben gerichtet, dahin, wo die Sterne sind, in denen nach Auffassung einiger schlichter Gemüter die Zukunft steht. Wobei die Bezeichnung „schlicht“ – nur für den Fall, dass sich jemand hier schräg angesprochen fühlen sollte – eher eigentlich von Intelligenz und Klarheit zeugt als von Plattheit, der gängigen Variation intellektuellen Staubaufwirbelns und Aufhebens um die Zukunft, die ja behauptet, also jene Plattheit behauptet das, man hätte den Schlüssel zur Erkenntnis.

Wie es sich in solchen galanten Selbstdarstellungen gehört, stützt Nemo seinen Kopf in seine von der Sonne leicht gebräunten schlanken Klavierspielerhände. Eigentlich hätte er noch eine Zigarette in den Fingern halten sollen, was aber aus praktischen Gründen nicht möglich war wie wir noch sehen werden.

Fast atemberaubend ist die Stille, die ihn umgibt, diese Aura.

Nun sind solche Haltungen und Gesten geradezu Magneten, Projektionsflächen für Phantasien über einen Menschen. Und die offene Frage aus der letzten Folge, ob Nemo ein Künstler sei oder was auch immer liegt auf der Hand. Vielleicht ist er ja ein großer Player, würdig wie ein Staatsmann.

Er schaut jedenfalls so aus in diesem Moment.

Der Interviewer stutzt. Elvira schmunzelt. Da erscheint Dr. Nemo durch eine Seitentür.

Der Interviewer erschrickt. Der Nemo ist aus Wachs …

Nemo kommt ins Zimmer, er erblickt die wächserne Figur seiner selbst.

Nemo: „Toll getroffen! Das bin ich!

Nun, die Figur aus Wachs, Elvira hat sie mit dem Clown erstellt und … die Überraschung ist gelungen.

In dem Moment erscheint der Clown.

Nemo, sichtlich begeistert von seinem Wachsabbild: „Schaun Sie mal, das bin ich!
Und wie man sich vorstellen kann, meinte er damit nicht die Figur an sich, sondern, was sie darstellt, den großen Player.

Clown: „Das also sind Sie? … Ach, ist das so?“

Nemo überhört diese Bemerkung des Clowns, greift sich das Bündel Akten und sein iPad. Wie immer geht es zur nächsten Sitzung.

Elvira, der Clown und der Interviewer gehen zum Fahrstuhl.

Elvira zum Clown: „Sie sind ein Genie!“

In dem Moment erstarrte der Clown und würde man sich eine surrealistische Sichtweise der Welt erlauben, wäre der Clown auf dem Weg zum Fahrstuhl zu einer Wachsfigur geworden … er steht regungslos still wie jene Künstler, die man an den Straßenecken sieht, die sich nicht bewegen und vor denen Kinder Selfies machen … aber solche Gedanken verfolgen wir ja nicht im 126. Stockwerk, der Zentrale der Welt.

Der Clown hoppelt auf einem bunten Einrad die Stufen herunter, anstelle den Fahrstuhl zu nehmen.

Interviewer: „Was ist eigentlich mit dem Meeting der Berater? Dr. Nemo war ja neulich ganz außer sich, weil die Methoden nicht funktionieren?“

Elvira: „Das Meeting ist nächste Woche, Sie sind eingeladen.“

So, dann haben wir ja das nächste Thema, denkt der Interviewer.

Ihm fällt dazu noch etwas ein. Was das ist und wie sich das Meeting gestaltet, erfahren wir wie immer nächsten Dienstag …


 

Das Interview von und mit Kurt August Hermann Steffenhagen hier ebenfalls als Podcast.

Autor: Kurt August Hermann Steffenhagen

Über Kurt August Hermann Steffenhagen 80 Artikel
Der Autor Kurt August Hermann Steffenhagen entlarvt mit unglaublicher Energie, Geistesschärfe und ohne Blatt vor dem Mund veraltete Methoden, Ansichten und Vereinfachungen. Er war über 25 Jahre Berater und Coach im internationalen TopManagement. Sein Thema ist der Paradigmen-wechsel im Denken des Managements. Sein Buch zu diesem Thema mit dem Titel „Management by Farce: Der feine Unterschied zwischen Führung und Eierkochen“ erschien kürzlich im BusinessVillage Verlag.
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Kurt August Hermann Steffenhagen


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Jurist, M&A Coach und Autor

 

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