Und die Moral von der Geschicht‘?

oder „Sui cuique mores fingunt fortunam.“ … Eine ernst gemeinte Persiflage

Der Clown hat den CEO des größten Unternehmens der Welt, Herrn Dr. Nemo eine Zeitlang begleitet, eigentlich ziemlich lange.
So ergibt sich, insbesondere hinsichtlich des Abschiedsgeschenks des Clowns, die Frage „Ach, ist das so?“, was Nemo daraus nun gelernt hat. Dieses „Was ist nun die Moral von der Geschicht‘?“ ist ja unabdinglich in unserer Kultur, in der seit Herrn Goethe gilt: „Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.

Der Interviewer nimmt sich also vor, Dr. Nemo danach zu fragen, welche Schlüsse er aus diesen Begegnungen, aus diesen Episoden mit dem Clown gezogen hat.

Frühmorgens findet er sich im Vorstandsbüro ein. Elvira bereitet einen Espresso mit einer fast ölig-festen Crema, die allen Barristas Italiens ein Benchmark wäre. Man wartet noch auf Dr. Nemo.

Im Hintergrund dieses blauen Morgens spielt leise Musik.

Elvira: „Der Clown hat mir auch ein Geschenk gegeben.“ Dabei hält sie ein buntes Cover einer CD hoch.
Elvira: „Die Musik, die Sie hören, hat der Clown gespielt. Ist sie nicht wunderbar?“
Zu hören ist ein heiseres Saxophon, pur, ohne weitere Begleitung mit einer Improvisation des Songs „Walking on the wild side“ von Lou Reed.

Dubdidubdididididubdidub …

Elvira wiegt im Takt der Musik ihre anmutig-erotischen Hüften, die ein enger und kurzer schwarzer Rock eher betont als verbirgt und wären wir nicht im 126. Stockwerk des Verwaltungsgebäudes von WMIA Incorporated, hätte diese musikalische Inspiration durchaus ausufern können in ein „Walking on the wild side, babe …“ Aber das kann ja in diesem würdigen vor Tradition triefenden Gebäude nicht gewollt sein … oder doch?

Dr. Nemo erscheint im blauen Nadelstreifen.

Die letzten Takte der Musik verlaufen sich in der ernsten Stille und wäre man poetisch, so könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Musik noch wie ein Finger aus einer anderen Welt den Finger dieser Welt des Managements berührt. Das Bild Michelangelos in der Sixtinischen Kapelle „Die Erschaffung Adams“ wäre eine greifbare Interpretation dieses Moments.

Nemo: „Oh, Musik!“

Elvira: „Ja, möchtest Du auch einen Espresso?“

Nun, man kann dieses Intro des Tages als belanglos und nicht erwähnenswert abtun, aber damit würde man dem Augenblick nicht gerecht werden. Die zwei Minuten, in denen man im Vorstandsbüro wie jeden Morgen einen Espresso schlürft sind wie eine Brücke von den Träumen der Nacht in den lichten klaren Tag.

Interviewer: „Herr Dr. Nemo, was ist Ihr Resümee aus den Begegnungen mit dem Clown? Was haben Sie gelernt?“

Nemo lacht: „Was sollte ich von einem Clown lernen?“

Interviewer: „Man lernt doch aus Begegnungen mit Menschen.“

Nemo: „Ach, ist das so?“

„Sieh an“, so denkt der Interviewer, die Begegnung mit dem Clown und dessen Botschaft scheint doch etwas bewirkt zu haben. Nemo nutzt die „goldene Frage“.

Nemo: „Wissen Sie, zum einen ich habe genug gelernt, zum anderen hat der Clown hat mir keinen einzigen Tipp gegeben, keine neuen Strukturen aufgezeigt, er hat nichts über die Entwicklung der Zukunft gesagt, nichts über Motivation und all die Themen, die uns bewegen.“

Interviewer: „Ist das nicht frustrierend? Sie sind doch ein Mann der handfesten Tatsachen, sie brauchen doch dieses „hands-on“?

Nemo: „Gleich ist Aufsichtsratssitzung wegen einer Kapitalerhöhung und da muss ja alles Material zur Hand sein. Sehen Sie, Elvira stellt gerade die Unterlagen für die Sitzung zusammen. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob diese Unterlagen so nutzen wie ich es bislang gedacht habe.“

Elvira hält inne. „Soll ich nicht weitermachen“?

Nemo: „Doch, doch …“

Auch wenn dies Protokoll des Interviews abschweift … so viel Zeit muss sein, Zeit für einen Augenblick mit Elvira. Die Anmutung ihres Wesens ist wie der Gang durch ein weites Tor in eine Welt abseits der sogenannten klaren Gedanken … eigentlich verdreht sie einem die Augen und der Glückliche schielt ja deshalb wie manche behaupten …

Interviewer: „Was denken Sie jetzt?“

Nemo: „Ich habe in meinem Managementleben etwas übersehen, so wie in einem Tunnelblick. Es ist so etwas wie die Box der Pandora.“

Nun, der Clown hatte ja seinerzeit gesagt, dass sein Preis darin besteht, dass Dr. Nemo etwas hergeben muss, er etwas verliert.

Die Box der Pandora riss ja bekanntlich die Menschen aus ihrem selbstgefälligen Glück, das auf etwas gebaut war, das man in der heutigen Zeit die Tabus nennt, die wohl in schreckliche Tiefen blicken lassen, wenn man sie öffnet.

Was damit nun gemeint ist und was das mit WMIA Incorporated zu tun hat und wie die Aufsichtsratssitzung verläuft, erfahren wir nächsten Dienstag.

Übrigens heute ging der Interviewer allein zum Fahrstuhl, er kennt ja den Weg …


 

Das Interview von und mit Kurt August Hermann Steffenhagen hier ebenfalls als Podcast.

Autor: Kurt August Hermann Steffenhagen

Über Kurt August Hermann Steffenhagen 127 Artikel
Der Autor Kurt August Hermann Steffenhagen entlarvt mit unglaublicher Energie, Geistesschärfe und ohne Blatt vor dem Mund veraltete Methoden, Ansichten und Vereinfachungen. Er war über 25 Jahre Berater und Coach im internationalen TopManagement. Sein Thema ist der Paradigmen-wechsel im Denken des Managements. Sein Buch zu diesem Thema mit dem Titel „Management by Farce: Der feine Unterschied zwischen Führung und Eierkochen“ erschien kürzlich im BusinessVillage Verlag.
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Kurt August Hermann Steffenhagen


Kurt August Hermann Steffenhagen

Jurist, M&A Coach und Autor

 

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