Was treibt heute die Entwicklung von Konzepten an

Dieser Beitrag gibt einen Überblick darüber, was im Moment die Entwicklung von neuen Konzepten antreibt und welche Tendenzen sich daraus ergeben.

Zum Einstieg möchte ich wieder mit einem kurzen Textauszug aus „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry beginnen.

„Ich habe also ernsthafte Gründe zu der Annahme, dass der Planet, von dem der kleine Prinz kam, der Asteroid B 612 ist. Dieser Asteroid war einst im Jahre 1909 von einem türkischen Astronomen entdeckt worden. Auf dem internationalen Kongress der Astronomen hatte er einen großen Vortrag über seine Entdeckung gehalten. Aber niemand hatte ihm Glauben geschenkt, allein seiner Tracht wegen. So sind die großen Leute. Für den Ruf des Planeten B 612 war es ein Glück, dass einst der türkische Herrscher seinem Volk bei Androhung der Todesstrafe befahl, fortan nur noch europäische Kleider zu tragen. Im Jahre 1920 hielt der Astronom seinen Vortrag nun in einem sehr eleganten Anzug noch ein weiteres Mal. Und dieses Mal glaubten sie ihm alle.“

Wie uns etwas präsentiert wird bzw. durch welches Umfeld wir geprägt sind, hat einen entscheidenden Einfluss darauf, wie wir etwas aufnehmen und weiterentwickeln können.

Wenn etwas unseren Erwartungen oder gemachten Wahrnehmungen nicht entspricht, wird es zumeist abgelehnt oder ignoriert, was das Entstehen von Informationsblasen befördern kann. Tauschen sich Gruppen beständig untereinander über ein Thema aus, bestärken sie sich damit immer wieder gegenseitig in ihren Ansichten und lassen andere Interpretationen immer schwerer zu. Unsere Ideen, Vorstellungen und Anforderungen an Organisationen und Instrumente sind damit zum einen durch die vorherrschenden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und zum anderen durch den Austausch den wir pflegen, geprägt.

Die Schwerpunkte und Ansätze in der Betriebswirtwirtschaft verändern sich konstant mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen mit.

So hatten zum Beispiel in der Zeit 1930/40 des letzten Jahrhunderts die Fragen der Logistik einen starken Schub aufgrund des zweiten Weltkriegs erhalten. Im Vordergrund standen Transport, Vorratshaltung und Verteilung von Gütern. In den 1950 standen im Rahmen des Wiederaufbaus die Themen Produktion und Arbeit im Vordergrund. Während in den 1990, bedingt durch den Fall der Berliner Mauer und die Öffnung der Grenzen, die Motive Differenzierung und Integration prägend waren. D.h. nicht, dass in diesen Zeiten nicht über andere Aspekte nachgedacht wurde, die gesellschaftlichen Bedingungen führten aber jeweils zu diesen deutlichen Akzentuierungen.

Was allgemein für die Betriebswirtschaft Gültigkeit hat, gilt auch für das Personalwesen.

Nach Karen Legge ist die Art und Weise wie Personal gemanagt und geführt wird, durch die gesellschaftlichen Gegebenheiten und Vorstellungen geprägt. Eine gerne unterstellte beständige Weiterentwicklung der Personalarbeit (z.B. von Taylor zum modernen Human Ressource Management) findet in dieser Form nicht statt. Was Personalarbeit ist und was wir darunter verstehen, ist immer ein Kind der jeweiligen Zeit und deren Anforderungen. Würden sich unsere Einstellungen oder Lebensumstände morgen fundamental ändern, würden sich auch die Personalarbeit und deren Konzepte ebenfalls deutlich mit verändern.

Welche Charakteristika sind für die Moderne nun prägend?

Nach Barbara Townley sind es Rationalität, Kausalität, Mittel, Sicherheit und Macht. Rational sollen unsere Entscheidungen im beruflichen wie im privaten sein. Es geht darum seine Ziele mit den effektivsten Mitteln zu erreichen. Sei dies die Erfüllung der Umsatzziele oder der eigene Bodymaßindex. Man geht dabei häufig von mechanischen Zusammenhängen wie in der Physik aus. Tue A um B zu erreichen. Es wird von einer logisch nachvollziehbaren Mittel-Zweck-Beziehung ausgegangen, welche Sicherheit und Stabilität schaffen soll. Eine dreiprozentige höhere Entlohnung steigert in zwei Monaten die Produktivität um fünf Prozent oder das Mittel XY macht bei täglicher Anwendung in drei Wochen eine jüngere Kopfhaut. Alles soll möglichst planbar und berechenbar sein und somit managebar werden. Es geht darum Komplexitäten abzubauen und eine Orientierungshilfe zu schaffen. Inkludiert ist dabei immer eine Macht, die überwacht, kontrolliert und Rückmeldungen gibt. Diese kann durch eine andere Person, ein Steuerungssysteme oder uns selbst verkörpert sein.

Nach der Umschreibung des Mindsets in dem viele heutige Konzepte entstehen, möchte ich abschließend noch kurz ein paar Tendenzen daraus ansprechen.

Häufig kann man einen starken Drang nach Checklisten, Anleitungen und Tests beobachten. Dies ist der Wunsch, sich an etwas festhalten zu können. Man kann dann etwas „machen“ (ausfüllen, auswerten, vorweisen) und als einen „geleisteten Fortschritt“ dokumentieren. Zur Planbarkeit gehört es, dass man vorher schon weiß, was herauskommen wird. Wodurch man zumeist auf Bekanntes oder Ähnliches vertraut. Experimente werden gerne vermieden. Über allem schwebt dann zumeist der Druck, möglichst schnell Ergebnisse zu erzielen. Langfristige Projekte bringen aber häufig erst mittelfristig spürbare Effekte und ohne rasche/n Erfolgsnachweis/Verwertung schwindet häufiger das Interesse. Wodurch kurzfristige Maßnahmen oft den Vorrang bekommen. Zum Abschluss stellt sich im Zeitalter der Inszenierung und des Marktes zusätzlich immer die Frage nach einer Verkaufbarkeit. Sei es intern oder extern. Dies alles zusammen befördert nun die Entwicklung von Konzepten, die Leistung sichtbar machen sollen, vorhersehbar sind und rasche Ergebnisse versprechen.

Autor: Dr. Thomas Daniel Zabrodsky

 

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Dr. Thomas Daniel Zabrodsky


Externer Lehrbeauftragter für Personal & Organisation
Universität Innsbruck

 

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