Wie Nemo Selbstreflexion versteht …

oder „Liberae sunt nostrae cogitationes.“ … Eine ernst gemeinte Persiflage

„Wo waren wir nochmal vor der Urlaubspause stehengeblieben?“, fragte der Interviewer Elvira, die ihn lächelnd und mit sanftem, fast unauffällig gebräuntem Teint empfing.
Elvira, die Assistentin Dr. Nemos, des CEO des größten Unternehmens der Welt, WMIA Incorporated ist eben eine elegante Dame, sie hat nicht diese Proletenverbrennungen im Gesicht, die manche Urlauber zuhause zur Schau tragen, weil sie nach dem fünften Bier in der Sonne eingeschlafen sind …

Nein, sie ist eine echte Italienerin, sie liebt das Feine, das Edle, die kleinen Portionen eleganter Einfachheit auf schattigen Terrassen und sie spielt auf dem Klavier des Lebens auf jenen schwarzen Tasten, von denen der holprige Brüller, der Sucher nach den knallenden Akkorden des Lebens, der verheißungsvollen Erkenntnis, der geraden Spur ins vermeintliche Glück und zum Erfolg zwar weiß, aber sie nicht wirklich kennt, geschweige denn zu schätzen weiß.

Aber wir schweifen wie immer bei der Schilderung dieser schönen Frau ab … oder vielleicht doch nicht?

Nemo hatte sich bei der Aufsichtsratssitzung vor den Ferien etwas verheddert.

Er hatte den Satz des Clowns „Ach, ist das so“ den Herrschaften gewissermaßen vor die Füße geworfen und das sorgte für Verstimmung. Auch die intelligenteste Frage oder nennen wir es lieber Intervention kann nach hinten losgehen, wenn man sie unreflektiert wie ein Rezept benutzt. Das Sprichwort: „Messer, Gabel, Schere, Licht taugt für kleine Kinder nicht“ könnte einem dazu einfallen.

Elvira hat das glattgebügelt, relativiert und auf die geistige Trinkstärke des Aufsichtsrats und der hinzugezogenen Vorstandsmitglieder herabgesetzt.

Nemo jedoch haderte danach mit sich, dem Satz des Clowns und überhaupt.

Elvira: „Nemo, nicht was du sagst, ist entscheidend, sondern mit welcher Haltung Du etwas sagst, bestimmt das Ergebnis einer solchen Intervention.“

Nemo: „Was meinst Du mit Haltung?

Elvira: „Das Dir zu erklären nutzt nicht, auf Theorien stehst Du ja sowieso nicht.“

Nemo: „Was nun?

Elvira und Nemo redeten doch noch eine Weile. Ins Spiel kam das Thema „Selbstreflexion“. Nemo wollte es vom Tisch wischen, aber Elvira insistierte.

Elvira: „Als wer agierst Du bei WMIA Incorporated?“

Nemo: „Ich bin der Boss!

Elvira. „Was heißt das?“

Nemo: „Schau doch ins Organigramm, ich stehe ganz oben!

Elvira: „Was heißt das denn? Meinst Du im Ernst, dass Du, nur weil dein Name da oben steht, ein guter Menschenmanager bist?“

Nemo wurde nervös. So genau hatte er das noch nicht bedacht, insbesondere war die Welt der Selbstreflexion wie Elvira das im Gespräch anklingen ließ, ein für ihn unbeackertes Feld.

Elvira: „Beschäftige dich doch mal in den Ferien mit der Selbstreflexion.“

Der Interviewer hat vorab das Thema mal nachgeschlagen und hat gefunden, dass diese Selbstbetrachtung eine Gratwanderung zwischen Ehrlichkeit und Selbstwerterhalt darstellt. Ehrlichkeit schließt ein, dass man eigene Misserfolge betrachtet und ungünstige Verhaltensweisen, die dazu geführt haben könnten. Selbstwerterhalt betont eher die beschönigende Sicht auf die eigene Person, die liebenswert bleibt, auch wenn sie Fehler macht.

Na dann schauen wir mal, was Nemo so sagt.

Man trifft sich wie immer im Vorstandsbüro. Nemo trägt diese leichte ganzjährige Bräune, die sich diejenigen leisten, die keine Rolex mehr brauchen, um ihren Wert zu demonstrieren.

Nemo fällt wie es seine Art ist, gleich mit der Tür ins Haus.

Nemo: „Der Herr Interviewer! Hallo, heute schon mal selbstreflektiert?

Der Interviewer stutzt und ahnt Fürchterliches.

Interviewer: „Nein, warum?“

Nemo: „Ich habe in den Ferien ein 4-tägiges Seminar zur Selbstreflexion auf Mallorca gebucht.

Interviewer: „Wie war es?“

Nemo: „Ich bin am Nachmittag des ersten Tages wieder abgereist!

Interviewer: „Warum?“

Nemo: „Wissen Sie, die wollten von mir, dass ich von meinen Irrtümern berichte, von den Dingen, die mir an mir nicht gefallen und dann sollte ich auch noch den anderen zu diesem Thema zuhören.

Interviewer: „Na und?“

Nemo: „Na hören Sie mal … Dieser Gang in die Seelen, das ist doch Esoterik. Hätte nur noch gefehlt, dass die Räucherstäbchen verbrannt hätten!

Elvira: „Was ist denn Esoterik für Dich?“

Nemo: „Äh, Mmmh, na ja eben dies Gequatsche.

Elvira: „So steht das aber nicht im Duden.“

Interviewer: „Mmmh …“

Nemo: „Ich wollte ein Stück weiterkommen … Elvira nennt das Selbstreflexion. Aber die Art, wie diese Leute das machen, das gefiel mir nicht.

Nun, man hätte mehr erwarten können, Erkenntnisse, etc.
Aber für Nemo war das Thema abgehakt.

Wie immer muss Dr. Nemo zum nächsten Termin. Elvira begleitet den Interviewer zum Fahrstuhl.

Interviewer: „Das war ein Schuss in den Ofen auf Malle.“

Elvira: „Stimmt, aber so, wie ich Nemo kenne, lässt ihn das Thema nicht in Ruhe. Er ist ein Getriebener, er will alles wissen, allerdings muss es ihm in den Kram passen.“

Interviewer: „Jeder lernt auf seine Art.“

Elvira: „Das gilt besonders für Nemo.“

Was Elvira damit meinte und was schon bald zu diesem Thema bei WMIA Incorporated geschehen wird, erfahren wir nächsten Dienstag …


 

Das Interview von und mit Kurt August Hermann Steffenhagen hier ebenfalls als Podcast.

Autor: Kurt August Hermann Steffenhagen

Über Kurt August Hermann Steffenhagen 127 Artikel
Der Autor Kurt August Hermann Steffenhagen entlarvt mit unglaublicher Energie, Geistesschärfe und ohne Blatt vor dem Mund veraltete Methoden, Ansichten und Vereinfachungen. Er war über 25 Jahre Berater und Coach im internationalen TopManagement. Sein Thema ist der Paradigmen-wechsel im Denken des Managements. Sein Buch zu diesem Thema mit dem Titel „Management by Farce: Der feine Unterschied zwischen Führung und Eierkochen“ erschien kürzlich im BusinessVillage Verlag.
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Kurt August Hermann Steffenhagen


Kurt August Hermann Steffenhagen

Jurist, M&A Coach und Autor

 

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