Zwischenauswertung zur Blitzumfrage Industrie 4.0

Seit Mai dieses Jahres haben wir hier eine „Blitzumfrage zu Industrie 4.0“ online.

Diese Umfrage ist noch bis 30. September 2016 online und bis zu diesem Zeitpunkt können Sie sich nach wie vor an der Umfrage beteiligen.

Zum aktuellen Stand wollen wir Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt bereits eine Zwischenauswertung anbieten.
Selbstverständlich sind die Umfrageergebnisse nicht repräsentativ und auch genügt die Umfrage keinem wissenschaftlichen Anspruch, jedoch war dies auch nicht unser Anliegen. Vielmehr wollten wir ein Stimmungsbild zum Thema „einfangen“.

Die Blitzumfrage umfasst insgesamt 12 Fragen. Die Umfrageteilnehmer stammen zu 25% aus Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitenden, zu 46% aus Unternehmen mit 51 bis 500 Mitarbeitenden und zu 29% aus Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden. Mit 25% stammen die Umfrageteilnehmer aus der Automobilwirtschaft und zu 21% aus dem Bereich Chemie/Pharma, die am häufigsten vertretende Gruppe der Umfrageteilnehmer kommen mit 36% aus dem Dienstleistungssegment.

Ist Industrie 4.0 nach Meinung der Umfrageteilnehmer in ihren Organisationen angekommen? Auf diese Frage antworteten die Teilnehmer wie folgt:

  • bei 28,5% der Organisationen gibt es – soweit den Umfrageteilnehmern bekannt – bis jetzt keine Aktivitäten zu Industrie 4.0
  • bei 46,5% der Organisationen gibt es – soweit den Umfrageteilnehmern bekannt – erste Aktivitäten zu Industrie 4.0 und bei
  • einem Viertel (25%) der Organisationen wurden bereits erste Maßnahmen zu Industrie 4.0 umgesetzt.

Allerseits wird proklamiert, dass Industrie 4.0 die Art wie wir künftig arbeiten grundlegend verändern wird. 61% der Umfrageteilnehmer schließen sich dieser Aussage an. Für 39% der Umfrageteilnehmer ist keine grundlegende Veränderung in Sicht.

Die Autoren der Neuerscheinung „Illusion 4.0 – Deutschlands naiver Traum von der smarten Fabrik“ Prof. Dr.-Ing Andreas Syska und Philippe Lièvre schreiben beispielsweise dazu folgendes:

Die Integration von Systemen bringt stets Vorteile. Von diesem Ansatz her ist Industrie 4.0 ja auch richtig. Dass solche Systeme aber nur dann funktionieren, wenn der Mitarbeiter mitgenommen wird, sollte allen Beteiligten klar sein. Ansätze sucht man aber vergebens. […] Bei Industrie 4.0 geht es darum, durch Vernetzung von Maschinen und Werkstücken die Fabrik zu perfektionieren. Das in dieser Fabrik auch Menschen beschäftigt sind, wurde den Protagonisten von Industrie 4.0 erst später bewusst. Sie wussten, dass sie sehr bald würden erklären müssen, was mit den Menschen geschieht. Und diese Erklärungen sind bis heute wenig fundiert, unvollständig und widersprüchlich.

In einer weiteren Frage wollten wir von den Umfrageteilnehmern wissen, ob Lean, Kaizen, KVP & Co. eine grundlegende Voraussetzung für die Einführung von Industrie 4.0 (gemeint ist hier z.B. die Standardisierung von Prozessen und Prozesssicherheit)ist.
Insgesamt sechs Antwortmöglichkeiten wurden angeboten. Wobei nach dem „Prinzip“ von Schulnoten die „1“ für stimme völlig zu und die „6“ für stimme gar nicht zu stand.

Auch wollten wir von den Umfrageteilnehmern wissen, welche Schulnote sie ihrem Unternehmen in Sachen Lean geben. Konkret haben wir folgende Frage gestellt: Wo würden Sie Ihre Organisation hinsichtlich Lean, Kaizen, KVP & Co. nach Schulnoten einordnen? Das Ergebnis ist eindeutig! Nur 11% attestieren ihrer Organisation die Schulnote „gut“, 25% geben Ihrer Organisation die Schulnote „mangelhaft“ und 14% gar die Note „ungenügend“.

Wie sieht es mit den Bedenken der Umfrageteilnehmer aus. Gefragt nach „Was sind ganz allgemein Ihre persönlichen Bedenken hinsichtlich der Einführung von Industrie 4.0 in Ihrer Organisation?“ haben wir u.a. folgende Antworten (Auswahl) erhalten:

  • Mangelhaftes Change Management. Mitarbeiter werden nicht mitgenommen
  • Datenschutzrechtliche
  • Noch zu wenig bekannt. Manches wird sogar von IG Metall und von Betriebsrat angesprochen, jedoch bei Management Kollegen noch „Stichwort-Neue Mode“
  • Sozialethische Bedenken: Entwürdigung von Arbeit und die Auswirkungen auf die Qualität
  • Technologiegetriebener Ansatz führt zur Automatisierung suboptimaler Prozesse.
  • Aus Kostengründen (Entwicklung) verschiebt sich die Einführung um 20 Jahre. Kann Scheitern wenn jeder sein Süppchen kocht, vernetztes Denken ist noch nicht in den Köpfen angekommen, wie soll das dann in den Prozessoren laufen. Erst das Fundament für die einheitlich standardisierten Schnittstellen schaffen, industrieübergreifend.
  • Ich sehe die Zukunft der Industrie nicht in weiterer Automatisierung und Digitalisierung, sondern in tatsächlichen und ganzheitlichen Kaizen unter Anwendung der Toyota KATA. Ich bin wirklich froh über jede neue Idee und Entwicklung, aber in 4.0 sehe ich aktuell keinerlei Mehrwert
  • Industrie 4.0 wird als rein technische Frage gesehen. Die Auswirkungen auf das zwischenmenschliche Wirken werden ignoriert
  • Dass die soziale Komponente vergessen wird. Aus meiner Sicht zeigt sich das gleiche Bild wie bei der Dampfmaschine, der Fließbandproduktion und dem Computer. Die Menschen haben Angst und das bremst, plus die ewige Effizienz-Diskussion, der es egal ist, ob es effektiv ist
  • Meine Bedenken liegen darin, dass die Gefahr besteht, im Thema 4.0 den Mensch zu vergessen. Der Mensch sollte auch in der digitalen Welt an der Wertschöpfung beteiligt sein

Gefragt nach der größten Chance für ihr Unternehmen im Fall einer Einführung von Industrie 4.0 sehen etwas mehr als 14% keine Chance für ihr Unternehmen. Diejenigen welche eine Chance für Ihr Unternehmen sehen, begründen diese mit folgenden Aussagen (Auswahl):

  • Vereinfachung in der Zusammenarbeit Mensch und Maschine bei verschiedenen Tätigkeiten. Transparenz im Ablauf Planung und Produktion
  • Effektiver und effizienter in allen Prozessen und Abläufen
  • Neue Geschäftsmodelle im Bereich Serviceleistungen
  • Stärkung der Wettbewerbsposition
  • Kundenperspektive einzunehmen und die Prozesse dazu aufzustellen

Gefragt nach den größten, noch zu überwindenden Hürden ganz allgemein auf dem Weg zu Industrie 4.0 sehen mehr als ein Viertel der Umfrageteilnehmer die Innovationsbereitschaft des Managements als größte Hürde, nur 7% nennen die rechtlichen Rahmenbedingungen als größte Hürde.

Wenn es um die Informationsbeschaffung zum Thema geht, nennt die Mehrheit Kongresse und Symposien und natürlich das Internet. Die mittlerweile zu Hauf angebotenen Seminarangebote sind aus Sicht der Umfrageteilnehmer keine Alternative.

Soweit zu ersten Auswertung unserer Umfrage zum Thema Industrie 4.0.
Wenn Sie – wie bereits zuvor erwähnt – ebenfalls an dieser Blitzumfrage teilnehmen möchten, so können Sie dies noch bis zum 30. September 2016.

 

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