Der Blick über der Tellerrand – schwindelerregend

Vor einiger Zeit bei einer Tagung, in der es mal wieder um Ausläufer digitaler Art bei Industrie 4.0 ging. Die Pause verbrachte ich vor der Tür, um einen dort zur Schau gestellten Tesla näher in Augenschein zu nehmen.

Der Kofferraum vorne, zu flach um eine Getränkekiste aufzunehmen.  Das erinnerte mich an das Erstaunen amerikanischer Verbraucher, die zum ersten Mal einen VW-Käfer intensiv beäugten. ‚Was..!?  … vorne kein Motor und nur Ersatzrad?‘.

Wie ich so die Konturen der Innenausstattung bewundere, die Spaltmaße prüfe, fällt mir die Feinstaubplakette auf. Wie, die Zulassungsstelle hat kein technisches Verständnis?? Wo soll bei einem Tesla denn Feinstaub entstehen, frage ich mich. Vielleicht gibt es eine Verordnung die besagt, dass ‚jedes‘ Auto eine Plakette haben muss? Der tiefere Sinn entzieht sich mir. Halt aber doch! Kann es sein, dass man das zum Schutz der Ordnungshüter gemacht hat? Die können vielleicht einen Tesla nicht von einem BMW oder VW unterscheiden und würden dann ggf. unwillkürlich einem armen Tesla-Fahrer einen Verstoß gegen die Einfahrbeschränkung anlasten. Rechtssicherheit  vor Sauberkeit. Da kann man auch fragen, wenn schon eine Brandverordnung einen Baustopp in Berlin auslöst, gibt es in Gefängnissen Notausgänge oder Fluchtwege? Sicher eine Ausnahmeregelung…

Bei so mancher Verordnung, muss man ja nur einen Schritt weiterdenken – über den Tellerrand so zu sagen – um über den mangelnden Sinn nachzudenken: Türen mit Klinken in öffentlichen  Toiletten (auch Restaurants). Gilt hier Bau-Vorschrift vor Hygiene?

Ein weiterer Blick über den Tellerrand lässt eine Industrie 4.0 vage ihre noch schwachen Konturen erkennen. Was war nochmal Industrie 3.0 ? Mein Gedächtnis lässt nach…
Nun denn, alle Welt spricht von der Digitalisierung, dem Internet of Things, bei Produkten, Werkzeugen und Abläufen. Intelligente Netze sorgen für einen eigenen Datenaustausch. KI (künstliche Intelligenz) sorgt bei zunehmender Komplexität der Abläufe, den Entscheidungsbereich eines Managers, ja gar einer Führungskraft übersichtlich zu gestalten bzw. einzuschränken. Ja, jetzt sind wir schneller und effizienter auch beim Fehlermachen.

Vorbei sind die Zeiten, in der auch ein Handlanger noch einen Job bekommen konnte. Der Mindestlohn hilft da auch nicht weiter. Das produzierende Gewerbe wird sich auf Mitarbeiter verlassen müssen, die mehr als nur einen Hauptschulabschluss haben. Und wenn gesteigerte Effizienz nicht zu besseren Erträgen führt, dann bleibt eben (nur) die Abwärtsspirale der Preisenachlässe (‚20% auf alles, außer Tiernahrung‘). Diese wiederum erzwingt weitere Einsparungen.

Bei Maximierung der Effizienz (sollte das möglich sein) tritt der Einzelne (Maschinenbediener z.B.),  in den Hintergrund. Maschinenbauer, Erfinder, Tüftler, Konstrukteure, Systemanalytiker werden sich wohl fühlen. ‚Hand‘-Werker sind eingeschränkt digitalisierbar.

Mir wird schon wieder schwindelig.

 


 

Autor: Gero F. Weber
Gero F. Weber erhielt seine akademische Ausbildung in den USA und Deutschland und sammelte Erfahrung als Führungskraft (im produzierenden Gewerbe) sowie als Unternehmer im Dienstleistungssektor auf beiden Seiten des Atlantiks.
Viele Jahre betreute Gero F. Weber Firmen, um deren Selbstvertrauen aufzubauen, die Mitarbeiter und Führungskräfte anzuspornen, damit sie für ihre Kunden und Lieferanten wieder ein verlässlicher Partner werden.

 

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